Landes-CDU gegen Umbenennung Hannover streitet um Hindenburgstraße

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Niedersachsens CDU-Generalsekretär Kai Seefried will, dass die Hindenburgstraße in Hannover Hindenburgstraße bleibt. Foto: Klaus WieschemeyerNiedersachsens CDU-Generalsekretär Kai Seefried will, dass die Hindenburgstraße in Hannover Hindenburgstraße bleibt. Foto: Klaus Wieschemeyer

Hannover. Die Hindenburgstraße in Hannover soll bald nicht mehr Hindenburgstraße heißen. Die Niedersachsen-CDU ist wenig begeistert, denn sie hat hier ihre Zentrale.

Gewöhnlich mischt sich die niedersächsische CDU-Zentrale an der Hindenburgstraße in Hannover nicht in Kommunalpolitik ein. Doch am Freitag machte Generalsekretär Kai Seefried eine Ausnahme: Auf der Plakatwand vor dem Wilfried-Hasselmann-Haus, wo sich die Partei sich kurz zuvor großflächig für die Abschaffung der Kitagebühren feierte, präsentierte er ein Plakat mit dem Hashtag #wirsindhindenburgstraße.

Denn wenn es nach der Stadt Hannover geht, liegt die CDU-Geschäftsstelle künftig nicht mehr an der Hindenburgstraße. Der zuständige Bezirksrat Mitte hat sich mehrheitlich für die Umbenennung ausgesprochen, die Mehrheit im Stadtrat ist ebenfalls dafür. Und damit steht die Adresse von Kai Seefrieds Arbeitsplatz als CDU-General zur Disposition. „Die geplante Änderung des Straßennamens ist falsch“, sagt er. Besser seien zusätzliche Infotafeln, die das Leben Hindenburgs kritisch beleuchteten.

Hindenburg wohnte um die Ecke

Die Diskussion ist altbekannt und nicht hannoverspezifisch: Denn Paul von Hindenburg (1847 - 1934) gilt vielen als Steigbügelhalter der Nazi-Diktatur von Adolf Hitler und deshalb als ungeeignet für Straßennamen. Der ehemalige Generalfeldmarschall ernannte als Reichspräsident im Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler. Im westfälischen Münster wurde der zentrale Hindenburgplatz deshalb im Jahr 2012 nach jahrzehntelanger Diskussion in Schlossplatz umbenannt. Und auch in Hannover wird schon seit Jahren über die Umbennung diskutiert. Dabei gibt es eine besondere Verbindung: Hindenburg lebte mehrfach in Hannover, 1918 schenkte die Stadt ihrem Ehrenbürger sogar eine Villa im noblen Zoo- alias Hindenburgviertel. Heute ist die Altbauvilla in Hannovers Edelviertel nur eine Straßenecke von der Noch-Hindenburgstraße entfernt.

Wie wäre es mit Ernst Albrecht?

Die soll ihren Namen behalten, fordert Seefried und sieht sich trotz des eindeutigen Votums des Bezirksrats nicht allein. „Die Anwohner sind nicht gefragt worden“, klagt Seefried. Viele Anwohner entlang der schmucken Straße am Stadtwald Eilenriede seien deshalb unzufrieden. Derzeit geht eine Unterschriftenliste im Viertel herum. Und wenn der Protest nichts bringt? Immerhin wäre es nicht das erste Mal, dass unliebsame Politiker aus dem Stadtbild verschwinden: Der nach Niedersachsens erstem Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf (1893 - 1961) benannte Platz vor dem Landtag trägt seit 2014 den Namen der Philosophin Hannah Ahrendt. Kopf war während der Nazizeit an der Enteignung von Juden beteiligt gewesen. Eine Kopf-Büste wurde während des Landtagsumbaus eingelagert, und hat es seitdem nicht wieder ins Parlament zurückgeschafft.

Doch Helmut Schmidt?

Sollte die Hindenburgstraße tatsächlich einen neuen Namen brauchen, hat Kai Seefried schon Wünsche. Der Namensgeber der CDU-Zentrale, der langjährige CDU-Landeschef Wilfried Hasselmann (1924 - 2003) wäre doch was, findet er. Noch besser: der frühere Ministerpräsident Ernst Albrecht (1930 - 2014). Böse Zungen fordern erneut die Umbenennung in Helmut-Schmidt-Straße. Dieser Vorschlag hatte die hannoversche SPD 2016 bundesweit in die Schlagzeilen gebracht, da ausgerechnet dort Vorbehalte gegen den 2015 verstorbenen früheren SPD-Kanzler laut geworden waren. Erst die Intervention von Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder beendete damals die Posse.


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