Streit um Jagd auf Ostfriesischen Inseln Inseljäger fordern von Landesregierung Rechtstreue ein

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Die Waldschnepfe sorgt in der Koalition für Streit. Foto: Imago/BlickwinkelDie Waldschnepfe sorgt in der Koalition für Streit. Foto: Imago/Blickwinkel

Hannover. Im Koalitionsstreit um die Jagd auf den Ostfriesischen Inseln melden sich nun die Inseljäger zu Wort. Sie warnen das Land Niedersachsen vor Wortbruch.

Im Koalitionsstreit um Jagdreviere auf den Ostfriesischen Inseln hat das Agrarministerium eine Überprüfung der vier umstrittenen Pachtverträge angekündigt. Man werde „schauen, wie man damit umgeht“, sagte eine Ministeriumssprecherin an Freitag in Hannover. Zudem spreche man sich mit dem Umweltministerium ab.

Verträge sind unterschrieben

Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) scharf kritisiert. Es geht um die Verlängerung von vier Pachtverträgen für die Ostfriesischen Inseln Norderney, Baltrum, Langeoog und Wangerooge. In den vergangenen Tagen hatte die Domänenverwaltung des Agrarministeriums die Jagdpachten um neun Jahre verlängert. Die Verträge sind beiderseitig bereits unterschrieben und besiegelt. Anders als von der dem Umweltministerium zugeordneten Nationalparkverwaltung gewünscht wurden dabei Forderungen von Naturschützern nicht aufgenommen. Die hatten unter anderem ein Ende der Jagd auf Waldschnepfen gefordert.

Jäger pochen auf Versprechen von 1986

Die betroffenen Jagdpächter bezeichneten die öffentliche Diskussion als „nicht nachvollziehbar“. „Wir erwarten, dass sich die Landesregierung an Recht und Gesetz hält“, sagte Jann Bengen von den Inseljägerschaften. Vom Land Niedersachsen fordert der Baltrumer Bengen Vertragstreue ein. Im Nationalparkgesetz Niedersächsisches Wattenmeer von 1986 sei die Jagd auf den bewohnten Inseln bereits einvernehmlich geregelt worden. 2001 seien diese Regelungen noch einmal bekräftigt worden. Nach Angaben der Inseljäger weisen die Pachtverträge mit dem Land bereits heute über das Nationalparkgesetz hinausgehende Einschränkungen auf. So seien die Jagdhundeausbildung, die Wasserwildjagd und die Zahl der Gesellschaftsjagden bereits stark eingeschränkt worden.

Und nicht nur bei der Jagd seien die Nationalpark Wattenmeer lebenden Menschen seit „Jahren Einschränkungen und Angriffen auf ihre Lebensart und Kultur ausgesetzt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Inseljäger.

Kein Verständnis für Insulaner?

„Was in diesen Diskussionen leider häufig vollkommen fehlt, ist das Verständnis für die Belange der in einem solchen Nationalpark lebenden Menschen.

Als Beispiel sieht Bengen die Kritik an der Waldschnepfenjagd. Den Vorwurf, diese diene nur der Trophäenjagd, weist er klar zurück. Die Jagd diene in erster Linie der Fleischbeschaffung, und die Waldschnepfe sei sehr lecker. Zudem würden in Deutschland von Millionen Waldschnepfen nur wenige Tausend gejagt. Anders sei das in Frankreich.

Termin mit Lies gefordert

Dass die Jagd auf Waldschnepfen andernorts nicht erlaubt ist, ficht Bengen nicht an. So sei Baltrum beispielsweise autofrei. Trotzdem fordere er dies nicht für den Rest Niedersachsens ein. Die Jäger wollen die Kritik nicht auf sich sitzen lassen: Über den ostfriesischen SPD-Landtagsabgeordneten Wiard Siebels haben sie um ein Treffen mit Umweltminister Lies gebeten.


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