Wilhelmshaven aus Netzplan gestrichen Altmaier kann sich mehrere LNG-Terminals im Norden vorstellen

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Ein LNG-Terminal würde nach Meinung des Landes gut zum Wiilhelmshavener Jade-Weser-Port passen. Foto: dpaEin LNG-Terminal würde nach Meinung des Landes gut zum Wiilhelmshavener Jade-Weser-Port passen. Foto: dpa

Hannover. Hat Niedersachsen im Rennen um ein Flüssiggasterminal gegenüber Schleswig-Holstein das Nachsehen? Nach einem Altmaier-Besuch in Kiel scheint es so. Doch das kann trügen – trotz schlechter Nachrichten für Wilhelmshaven.

Die Bundesregierung hat noch keine Vorentscheidung für den Standort eines Flüssiggasterminals an der deutschen Küste gefällt. „Wir präferieren keinen Standort“, betonte ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) unserer Redaktion. Er widersprach damit dem Eindruck, der Bund setze auf den schleswig-holsteinischen Standort Brunsbüttel. Bei einem Besuch in Kiel in der vergangenen Woche hatte Altmaier betont, die Chancen für „ein solches Projekt hat sich in den letzten Wochen erheblich erhöht “.

Wettlauf um erstes Terminal

Niedersachsen liefert sich mit Schleswig-Holstein ein Rennen um das erste deutsche Terminal und schlägt die Standorte Wilhelmshaven oder Stade vor. Das Flüssiggas gilt nicht nur als im Vergleich zu Schweröl sauberer Schiffstreibstoff. Ins Gasnetz eingespeist kann aus den USA oder aus dem arabischen Raum per Schiff importiertes LNG auch die Abhängigkeit Deutschland vom russischen Gas verringern. Damit bekämen die Terminals neben einer wirtschaftlichen auch eine geopolitische Bedeutung.

„Mehrere möglich“

Daher will der Bund den Bau nun forcieren –bis zum Jahresende soll es den ersten Förderbescheid aus Berlin geben. Dabei will man sich aber nicht zwingend auf einen Standort konzentrieren: „Auch mehrere LNG-Terminals können meines Erachtens in Frage kommen“, heißt es in einem unserer Redaktion vorliegenden Brief Altmaiers an Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Althusmann hatte zuvor darauf hingewiesen, dass mit Stade ein neuer Bewerber bereitstehe. Eine Projektgruppe um den Chemiekonzern Dow hat im Mai entsprechende Pläne vorgestellt.

Für den bisher von Niedersachsen präferierten Standort Wilhelmshaven enthält der Brief Altmaiers dagegen keine gute Nachricht. Der Wirtschaftsminister erklärt, die Standortfrage müsse „von den Investoren entschieden werden“. Wilhelmshaven hat bisher keinen.

Wilhelmshaven aus dem Netzplan gestrichen

Zudem hat die Bundesnetzagentur weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit bereits am 12.Dezember 2017 Wilhelmshaven als möglichen Einspeisepunkt aus dem aktuellen Netzentwicklungsplan (NEP) Gas gestrichen. Damit planen die Netzbetreiber derzeit ohne die Stadt am Jadebusen. Für Wilhelmshaven habe keine „wirksame Reservierung“ vorgelegen, sagte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur unserer Redaktion.

Allerdings bedeute dies keine endgültige Entscheidung gegen Wilhelmshaven, betont die Sprecherin: „Mit der Entscheidung, die für das LNG-Terminal in Wilhelmshaven angefragte Anschlusskapazität nicht im Plan zu berücksichtigen, wurde keine Aussage darüber getroffen, ob die Anlage realisiert wird oder nicht“, sagte sie.

Brunsbüttel peilt Start 2022 an

Da Stade sich zum Zeitpunkt der Planerstellung noch nicht gemeldet hatte, plant der NEP 2018 bis 2028 derzeit nur mit Brunsbüttel. Dort sind Kapazitäten in Höhe von 8,7 Gigawatt angemeldet. Der Antragssteller geht von einer Inbetriebnahme im Jahr 2022 aus.

Die FDP-Fraktion im Landtag fürchtet, dass Niedersachsen den Wettlauf um ein Terminal verliert. Sie fordert von der rot-schwarzen Landesregierung nun endlich eine niedersächsische LNG-Strategie. Am Freitag steht das Thema im Wirtschaftsausschuss des Landtags auf der Tagesordnung.


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