Kritik an Pachtverträgen Krach um Vogeljagd im Wattenmeer

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Der Nationalpark Wattenmeer ist ein Vogelparadies mit Einschränkungen: Hier Austernfischer auf Borkum. Foto: dpa/Reinhold GrigoleitDer Nationalpark Wattenmeer ist ein Vogelparadies mit Einschränkungen: Hier Austernfischer auf Borkum. Foto: dpa/Reinhold Grigoleit

Hannover. Die Neuverpachtung von Jagdbezirken auf den Ostfriesischen Inseln sorgt in der Landespolitik für Streit: Umweltminister Lies fühlt sich von Agrarministerin Otte-Kinast übergangen. Auch Naturschutzverbände protestieren.

Räumlich trennt nur die Calenberger Straße in Hannover das Umwelt- vom Landwirtschaftsministerium. Doch inhaltlich liegen die Häuser mitunter weit auseinander. In einem unserer Redaktion vorliegenden Brief beschwert sich SPD-Umweltminister Olaf Lies am Mittwoch bei CDU-Agrarministerin Barbara Otte-Kinast über mangelnde Absprachen. Dabei geht es um insgesamt elf Jagdpachtverträge für landeseigene Flächen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Diese werden in der Regel für neun Jahre geschlossen.

Verträge bereits unterschrieben

Zuständig für die Verpachtung ist das dem Landwirtschaftsministerium zugeordnete Domänenamt beim Amt für Regionalentwicklung in Oldenburg. Gerade hat das Amt auslaufende Verträge für die Inseln Norderney, Baltrum, Langeoog und Wangerooge auf Weisung aus Hannover neu genehmigt. Und dies anscheinend ohne Rücksprache mit der dem Umweltministerium zugeordneten Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven. Die „neuen Jagdpachtverträge sind hier leider nicht bekannt“, klagt Lies. Und das, obwohl es zuvor eine intensive Abstimmung zwischen Nationalpark und Domänenverwaltung gegeben habe. Ziel der Verabredungen: den Vogelschutz im Park zu verbessern. Ein Musterdokument sieht unter anderem ein Verbot der Waldschnepfenjagd und eine Einschränkung für den Einsatz von Jagdhunden und Falken vor.

„Ein Skandal“

Lies schießt mit einer Aufforderung an seine Ressortkollegin: „Um naturschutzfachlich keine Rückschritte zu erleiden, bitte ich dringend, vor Abschluss der Jagdpachtverträge [...] um Mitzeichnung der für den Nationalpark sehr wichtigen Regelungen, an die das Land für mindestens neun Jahre gebunden ist.“.

Damit dürfte er zu spät kommen. Denn die Verträge wurden nach Informationen unserer Redaktion bereits abgeschlossen, der nächste (für Borkum) erst 2019 fällig.

Naturschützer sind entsetzt: In einer gemeinsamen Presseerklärung bezeichnen Nabu, BUND, Mellumrat, WWF und andere Verbände die Neuverpachtung als „Skandal“. Man vermute nicht nur keinen neuen Regeln, sondern auch eine Aufweichung der alten. „Statt Verbesserungen zu erzielen, soll nun das Rad sogar zurückgedreht werden!“ Die Verbände hatten in den vergangenen Jahren immer wieder ein Ende der Vogeljagd im Wattenmeer gefordert. Diese sei mit dem Schutzgedanken eines Nationalparks grundsätzlich nicht zu vereinbaren. „Hunderte von Zugvögeln werden von Jägern erschossen oder von abgerichteten Jagdfalken erlegt, tausende von ihren Hochwasserrastplätzen vertrieben oder so stark beunruhigt, dass sie fluchtartig das Gebiet verlassen“, klagt Nabu-Landeschef Holger Buschmann.

Das Agrarministerium schweigt. Lies legt nach

Was nun in den Pachtverträgen steht, ist bislang offen. Denn während die Verbände wettern und Lies Kommunikation fordert, bleibt es auf der anderen Seite der Calenberger Straße still. Anfragen unserer Redaktion an das Agrarministerium blieben bis zum Mittwochabend unbeantwortet. Dafür meldete sich Minister Lies zu Wort und beklagt „ganz schlechten Stil“. „Dieser Alleingang bedeutet einen hohen Vertrauensverlust“, erklärte Lies am Abend. Der Abstand zwischen den beiden Häusern ist am Mittwoch gewaltig gewachsen.


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