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Niedersachsen AfD-Abgeordnete dürfen nicht in Fußballteam des Landtags kicken

Von dpa

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Spielfreudige Kicker der AfD dürfen in der Fußballmannschaft des niedersächsischen Landtags vorerst nicht mitspielen, weil sie sich weigern eine aus dem Kodex des DFB übernommene Ehrenerklärung zu unterzeichnen. Foto: Jan Woitas/dpaSpielfreudige Kicker der AfD dürfen in der Fußballmannschaft des niedersächsischen Landtags vorerst nicht mitspielen, weil sie sich weigern eine aus dem Kodex des DFB übernommene Ehrenerklärung zu unterzeichnen. Foto: Jan Woitas/dpa

Hannover. Abgeordnete der AfD dürfen in der Fußballmannschaft des niedersächsischen Landtags vorerst nicht mitspielen. Alle Spieler, die in der Mannschaft mitmachen wollen, müssen eine Ehrenerklärung unterschreiben. Die zwei Hobby-Kicker der AfD legten sich beim Mannschaftstreffen quer – und dürfen nun erst mal nicht mitspielen.

Sport soll bekanntlich der Verständigung dienen. Das gilt auch für die Fußballmannschaft des niedersächsischen Landtags. Seit 1977 kicken hier spielfreudige Abgeordnete und Mitarbeiter aller Fraktionen einträchtig für einen guten Zweck. Doch nun herrscht plötzlich Knatsch. Denn die Fußballer der AfD dürfen in der Mannschaft des FC Landtag vorerst nicht mitspielen und stehen im Abseits. Der Grund: Sie wollen eine aus dem Ethik-Kodex des DFB übernommene Ehrenerklärung zu Toleranz nicht unterschreiben, wie der AfD-Abgeordnete Harm Rykena am Dienstag sagte. Zuvor hatte die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» darüber berichtet. 

Passus aus dem DFB-Ethik-Kodex

Bei den Landtagswahlen im vergangenen Oktober war die AfD in Niedersachsen erstmals ins Parlament eingezogen. Das neue Team des FC Landtag brauchte lange, um eine Mannschaft aufzustellen. «Wir wollten eine gemeinsame Linie festlegen, die alle mittragen können», sagte der Kapitän Stefan Klein (SPD). Man habe sich auf eine Erklärung geeinigt, die alle Spieler unterschreiben sollten und die einen Passus aus dem DFB-Ethik-Kodex enthielt. Darin heißt es unter anderem, man dulde keine Diskriminierungen, Belästigungen oder Beleidigungen aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung und wolle Vielfalt auf und abseits des Platzes achten und fördern.

"Vielfalt nicht förderungswürdig"

Doch beim Mannschaftstreffen vor dem ersten Spiel der neuen Legislaturperiode am vergangenen Freitag kam es zum Knall. Die zwei Kicker der AfD wollten den Passus nicht tragen. "Vielfalt ist aus unserer Sicht nicht förderungswürdig", sagte dazu der AfD-Abgeordnete Rykena. Nach Darstellung des grünen Landtagsabgeordneten Belit Onay und anderer Teilnehmer der Mannschaftssitzung habe die AfD die provozierende Frage gestellt, ob mit der Vielfalt auch Messerstecher gemeint seien. «Ich bin wirklich schockiert. Ich hätte gedacht, dass man sich wenigstens auf diesen Minimalkonsens aus dem DFB-Kodex hätte einigen können», sagte Onay. Der FC Landtag spiele zu karitativen Zwecken, und er wolle keine Diskussionen mit AfD-Abgeordneten haben, gegen welche Mannschaften man antreten könne und gegen welche nicht.

Der DFB, an dessen Ethik-Kodex sich der FC Landtag mit seiner Erklärung orientiert, kämpf momentan selbst mit Diskriminierungsvorwürfen. Bei seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft nach der Affäre um umstrittene Fotos mit dem türkischen Staatsschef Recep Tayyip Erdogan hatte Fußball-Weltmeister Mezut Özil dem Verband Rassismus und Respektlosigkeit vorgehalten.

FC Landtag gegen Gefängnis Wolfenbüttel

Die niedersächsischen AfD-Spieler wollen nun erst einmal in der Fraktion beraten, wie sie mit der Erklärung weiter verfahren sollen. Beim Spiel des FC Landtag gegen das Team des Gefängnisses Wolfenbüttel am Dienstagabend sollten die AfD-Fußballer jedenfalls nicht auf dem Platz stehen.

Auch bei der Fußballmannschaft des Bundestags hatte es Anfang des Jahres Ärger um die Aufnahme von AfD-Abgeordneten gegeben. Nur drei der fünf Politiker, die sich für die Mannschaft angemeldet hatten, wurden aufgenommen, darunter auch Jörn König aus Niedersachsen. Unter den abgelehnten Kickern war der Abgeordnete Sebastian Münzemaier, der im Oktober wegen Beteiligung an einem Überfall auf Fußballfans zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden war. Daraufhin entschieden alle AfD-Parlamentarier, dem FC Bundestag fernzubleiben.


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