Machtgefühl und Übermut denkbar Was steckt hinter den Autobahn-Schüssen?

Von dpa

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Schüsse auf mehrere Fahrzeuge in der Nähe von Oldenburg und Bremen geben der Polizei Rätsel auf. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaSchüsse auf mehrere Fahrzeuge in der Nähe von Oldenburg und Bremen geben der Polizei Rätsel auf. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Oldenburg. Sie fuhren auf der Autobahn – mehrere Schüsse fallen auf Wohnwagen und einen Lastwagen: Welches Motiv steckt dahinter? Ein Kriminalexperte hat eine Vermutung.

Rätselhafte Schüsse auf mehrere Fahrzeuge in der Nähe von Bremen und Oldenburg beschäftigen seit Tagen die Polizei. Aus Sicht des Kriminalexperten und Profilers Axel Petermann ist es wahrscheinlich, dass es für die Taten unterschiedliche Motive gibt: Machtgefühle und Frust könnten eine Rolle spielen, aber auch das Bedürfnis, sich auszuprobieren.

Zwei Wohnwagen waren am Donnerstag vor einer Woche auf der Autobahn 1 seitlich beschossen worden, nach Polizeiangaben geschah dies vermutlich mit einer Luftpistole. Petermann schließt einen jungen Menschen als Täter nicht aus. "Es ging wahrscheinlich um das Bedürfnis, ein wenig "rumzuknallen" und das Schießen auszuprobieren", sagt der Experte. Verletzt wurde bei den Schüssen auf die Wohnanhänger niemand. "Einen Schock hinterlässt das aber schon", sagte der Besitzer von einem der Wohnwagen, Detlef Wittke. Das Projektil sei nicht nur durch die Außenwand, sondern auch durch die Innentür einer Schrankwand gedrungen.

"Ich glaube aber nicht, dass damit ein ernsthafter Verkehrsunfall provoziert werden sollte", sagt Kriminalexperte Petermann. Im Fall eines beschossenen Sattelzuges, dessen Windschutzscheibe am vergangenen Dienstag bei Bad Zwischenahn im Landkreis Ammerland getroffen wurde, sehe es dagegen anders aus. Nach Polizeiangaben wurde der Schuss möglicherweise gezielt abgegeben.

Frust und Überlegenheit

"Dabei geht es um die Ausübung von Macht. Der Täter will sehen, welche Folgen sein Handeln hat", sagt Petermann. Manchmal gehe es bei solchen Taten auch darum, Frust abzulassen oder sich anderen überlegen zu fühlen.

Vor einigen Jahren hatte ein Fall bundesweit Aufsehen erregt. Ein Täter hatte aus ähnlichen Motiven gehandelt: Ein Lastwagenfahrer hatte in mehr als 700 Fällen auf andere Fahrzeuge geschossen. Als Motiv gab er "Ärger und Frust im Straßenverkehr" an.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben zur Aufklärung des Schusses auf den Sattelzug bei Oldenburg eine Sonderkommission gebildet. "Wir bekommen viele Hinweise und ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Ob ein Zusammenhang zu den Schüssen auf die Wohnanhänger bestehe, sei noch unklar. "Wir gehen aber bisher nicht davon aus. Dafür ist der Tathergang zu unterschiedlich", teilte die Polizei mit.


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