Hilbers verärgert über Berichte Nach Enthüllungen: Nord/LB jagt Whistleblower

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Nord/LB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers (CDU) verteidigt die Befunde der internen Revision, kritisiert aber deren Veröffentlichung. Foto: dpaNord/LB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers (CDU) verteidigt die Befunde der internen Revision, kritisiert aber deren Veröffentlichung. Foto: dpa

Hannover. Interne Prüfberichte der Nord/LB stellen der Bank miese Noten im Schiffskreditgeschäft aus. Aufsichtsratschef und Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) verteidigt die interne Kritik als gut. Er ärgert sich aber darüber, dass sie öffentlich wurde. Die Bank sucht nun nach dem Datenleck.

Nach dem Bekanntwerden von Berichten der Internen Revision der Nord/LB hat die Bank die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Dies teilte die Landesbank am Freitag in Hannover mit. Mit der Strafanzeige gegen Geheimnisverrats will das Institut herausfinden, wer internes Material herausgegeben hatte.

Zuvor hatten der NDR und die „Süddeutsche Zeitung“ aus Prüfberichten zitiert, die von 2016 bis 2018 vor allem den bankinternen Umgang mit Schiffskrediten kritisiert hatten. Demnach bewerten die Prüfer die Leistungen des Geldhauses mit „ausreichend“ oder „mangelhaft“. Das Geldhaus bezeichnete die Berichte als nicht repräsentativ.

Bank gehört überwiegend dem Land

Die Medienberichte beschäftigten am Freitag auch den Landtag, denn die Bank mit ihren etwa 6000 Mitarbeitern gehört mehrheitlich dem Land Niedersachsen. Zudem trifft das Thema einen Nerv: Die Bank ist in den vergangenen Jahren durch faule Schiffskredite in Turbulenzen geraten und musste ihre ebenfalls durch Schiffkredite belastete Beteiligung BLB schlucken. Vorstandschef Thomas Bürkle baut das Institut derzeit um und Arbeitsplätze ab. Zudem suchen Land und Bank nach Wegen, das Eigenkapital weiter als bisher zu stärken, um die steigenden Anforderungen zu erfüllen. Auch Privatinvestoren könnten einsteigen.

Revision ist immer pessimistisch

Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) kritisierte als Aufsichtsratschef das Datenleck. Zudem sei der Tenor der Berichterstattung unzutreffend. Es werde der Eindruck erweckt, als ob es seit Jahren unabgestellte Mängel in der Bank gebe. Dies sei falsch. Vielmehr sei es gerade Aufgabe der Revision, „mögliche Schwachstellen und potenzielle Risiken zu benennen und auf ihre Abstellung hinzuwirken“, so Hilbers. Für Revisoren sei das Glas eben immer „halb leer“, das sei ja deren Aufgabe. Die Bank werde durch die Berichte unberechtigt in eine schädliche Diskussion „gezerrt“, beklagte er. Hilbers forderte einen unverzüglichen Bericht Bürkles über den Vorgang an. Auch andere Politiker der Großen Koalition wie Ulf Thiele (CDU) und Frauke Heiligenstadt (SPD) kritisierten, dass die Berichte öffentlich wurden.

Sanierungsplan im Feuer?

Der Opposition reichte das nicht. Sie forderte vollständige Aufklärung. „Der Beitrag des Finanzministers in der heutigen Plenarsitzung lässt kein angemessenes Problembewusstsein erkennen. Offensichtlich steht gerade seine Sanierungsplanung im Feuer“, sagte Stefan Wenzel von den Grünen. „Es muss geklärt werden, ob Berichte der Konzernrevision ignoriert oder nicht korrekt abgearbeitet worden sind. Zudem stellt sich die Frage, ob der Landtag und die Bankenaufsicht falsch informiert worden sind“, ergänzte er. Christian Grascha von der FDP bezeichnete es als „absolut besorgniserregend“, dass die Nord/LB wieder mit Schiffskrediten auffalle. Dass Hilbers „wieder mal mit Beschwichtigungen reagiert“ sei nicht hinnehmbar.

Am Mittwoch wird sich der Haushaltsausschuss des Landtags mit dem Thema befassen.


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