Neuer Schlag für Emden Trotz dritter Insolvenz Hoffnung für Nordseewerke

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Die Nordseewerke stehen für eine lange Schiffbautradition in Emden. Foto: dpaDie Nordseewerke stehen für eine lange Schiffbautradition in Emden. Foto: dpa

Hannover. Die einst stolzen Emder Nordseewerke sind nur noch ein Schatten einstiger Größe. Nun stehen den 83 Mitarbeitern auf dem Gelände wieder schwere Zeiten bevor. Die Landespolitik macht aber Mut.

Die erneute Insolvenz der Emder Nordseewerke ist in der Landespolitik mit Betroffenheit aufgenommen worden. „Dies ist ein neuer schwerer Schlag für den Standort Emden“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) am Donnerstag im Landtag in Hannover. Er bezog sich damit unter anderem auf die Krise bei Enercon und die Krise bei Cassens.

Am Mittwochabend hatte die Nordseewerke Emden Shipyard (NES) Insolvenz in eigener Regie angemeldet. 83 Mitarbeiter sind betroffen, sie bekommen rückwirkend Insolvenzgeld. Es ist die dritte Pleite auf dem Gelände des einst stolzen Schiffbauers binnen weniger Jahre. (Weiterlesen: Z ittern um den Standort)

Kunde Meyer unzufrieden

Auslöser ist offenbar das Auslaufen eines 2016 geschlossenen Großauftrags der Papenburger Meyer Werft. NES hatte Blockteile für die Emsländer gebaut. Die Meyer Werft monierte Qualitätsmängel und massive Terminverzögerung. Nach Angaben Althusmanns wurden Teile mit bis zu zwölf Wochen Verzögerung geliefert. Anfang des Jahres hatte sich die Emder Dirks Group aus der NES zurückgezogen

Das Wirtschaftsministerium hatte hinter den Kulissen seit Monaten um einen Erhalt des Unternehmens gekämpft. Bernd Althusmann hatte im Juli mehrere Gespräche mit den beteiligten Unternehmen und der Stadt gesprochen.

Minister „vorsichtig optimistisch“

Althusmann kündigte an, am 30. August erneut nach Emden zu kommen, um über Zukunftsperspektiven zu sprechen. Trotz der Insolvenz gab sich Althusmann „vorsichtig optimistisch“, dass das Gelände Entwicklungsmöglichkeiten habe. Die Meyer Werft könne sich vorstellen, dass die Blöcke auch künftig in Emden gebaut werden, wenn ein verlässlicher strategischer Partner gefunden werde, sagte Althusmann.

In der Abwärtsspirale

Für die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz (Leer) ein Hinweis darauf, dass das Land mit einem Wiedereinstieg der Dirks-Group rechne. Sie warnt vor einer Abwärtsspirale für die Mitarbeiter, die zu schlechteren Konditionen wieder angestellt würden.

Althusmann verärgert Opposition

Für Empörung im Parlament sorgte Althusmann mit der Aussage, er sei mit den örtlichen Abgeordneten schon länger im Gespräch. Denn diese Aussage bezog sich lediglich auf die Groko-Parlamentarier Matthias Arends, Johanne Modder (beide SPD) und Ulf Thiele (CDU). Die Grüne Janssen-Kucz und die Emderin Hillgriet Eilers von der FDP waren offenbar nicht informiert worden – und protestierten.

„Schlicht unverschämt

Grüne und FDP monierten einen arroganten Regierungsstil Althusmanns: FDP-Fraktionschef Stefan Birkner sprach von Abgeordneten „erster und zweiter Klasse“.Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Helge Limburg, bezeichnete Althusmanns Verhalten als „schlicht unverschämt“. In der Vergangenheit seien sich Regierung und Opposition bei Fällen wie VW, der Salzgitter AG oder auch der Nord LB einig gewesen, dass man Arbeitsplätze erhalten wolle. CDU-Fraktionsvize Ulf Thiele warf den Grünen wirtschaftsfeindliche Politik vor: Wenn es nach deren Vorstellungen zur Emsvertiefung gegangen wäre, gäbe es den Nordseewerke-Kunden Meyer Werft schon längst nicht mehr, sagte er.


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