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Tandem startet in Niedersachsen Frauen-CDU: Wahlkreisquoten für weiblicheres Parlament

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Der Frauenanteil im Landtag von Niedersachsen beträgt 28 Prozent, in der CDU sind es 18 Prozent. Foto: dpaDer Frauenanteil im Landtag von Niedersachsen beträgt 28 Prozent, in der CDU sind es 18 Prozent. Foto: dpa

Hannover. Politik ist in der CDU Niedersachsen meistens Männersache: Nur ein Viertel der Mitglieder ist weiblich, in vielen Führungspositionen liegt der Anteil noch niedriger. Die Frauen Union macht nun Reformvorschläge.

Die Frauen Union der CDU Niedersachsen fordert vor ihrem Delegiertentag am kommenden Samstag in Peine mehr politische Teilhabe. Der Anlass ist der geringe Frauenanteil im Parlament und bei Führungsposten in der Partei. CDU-Landeschef Bernd Althusmann hatte eine stärkere Förderung von Frauen angekündigt, doch die Zahlen sehen nach wie vor anders aus: Zwar sind mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in Niedersachsen weiblich, doch nur ein Viertel der CDU-Mitglieder sind Frauen.

Wenige Frauen in Spitzenposten

In der Berufspolitik geht der Anteil oft noch weiter zurück: Zwar sind 23,8 Prozent der niedersächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten weiblich. Und auch zwei der fünf CDU-Landesminister sind Frauen. Doch anderswo sieht es düster aus: Nur jeder achte Fraktionsvorsitzende im Land ist weiblich, nicht einmal jeder fünfte CDU-Landtagssitz ging an eine Frau. Das trifft auch auf die Landtagsfraktion zu: Unter den sechs Vizes von Fraktionschef Dirk Toepffer ist mit Mareike Wulf nur eine weiblich.

Tandem soll starten

In einem zweiseitigen Positionspapier, welches in Peine beschlossen werden soll, schlägt die Frauen-Union drei Maßnahmen vor. Die erste dürfte unstrittig sein: Interessierte Frauen ab 30 Jahren sollen einen erfahrenen Mentor an die Seite bekommen. Das „Tandem“-Projekt ist längst von der Partei beschlossen, der Startschuss soll am Samstag fallen.

Reißverschluss für die Listen

Auf weniger Begeisterung dürfte die zweite Forderung stoßen: So schlägt die Frauen-Union eine paritätische Besetzung von Wahllisten nach Reißverschlussprinzip (abwechselnd Mann und Frau) wie bei den Grünen vor.

Frauenstimmen bei Wahlkreisen?

Die dritte Forderung sind Tandem-Wahlkreise nach Vorbild der französischen Regionalwahlen 2015: Nach dem Modell wird die Zahl der Wahlkreise halbiert. Jede Partei stellt je Wahlkreis einen männlichen und einen weiblichen Direktkandidaten auf, die Wähler bekommen drei Stimmen: für Mann, Frau und Partei eine Männer-, eine Frauen- und eine Parteistimme. So wäre eine Direktkandidatin pro Wahlkreis sicher.

Seefried ist skeptisch

Laut Papier soll die CDU dieses Modell prüfen. Ob es aber tatsächlich so kommt, hängt davon ab, ob es eine Mehrheit dafür gibt. Das ist nicht sicher: In der CDU mehren sich ablehnende Stimmen, wie die von Generalsekretär Kai Seefried: „Eine weitere Vergrößerung der Wahlkreise durch die Einführung von Tandem-Wahlkreisen wird in der Partei skeptisch gesehen, weil sie zwangsläufig bürgerferne Politik nach sich zieht. Wenn der Bürger in Bad Bentheim von zwei Meppener Abgeordneten im Landtag vertreten wird, sorgt das nicht für mehr, sondern für weniger Akzeptanz in der Bevölkerung“, sagte Seefried unserer Redaktion.

Generell begrüßte Seefried aber die Aktivitäten der Frauen Union: „Die Frage, wie wir mehr Frauen für die Mitarbeit in unserer Partei begeistern können, ist für uns als CDU in Niedersachsen von zentraler Bedeutung. Denn es kann nicht unser Anspruch sein, dass nur knapp 25 Prozent unserer Mitglieder weiblich sind“, sagte er. Er sei deshalb froh, dass die Landeschefin der Frauen Union Ute Krüger-Pöppelwiehe und ihr Team „am Samstag eine Mitgliederbeauftragte wählen und wir gemeinsam den Startschuss für das ‚Tandem-Projekt‘ der CDU in Niedersachsen geben werden“, sagte Seefried.


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