Niedrige Wasserstände Dürre in Niedersachsen: Aus für Fähren, Talsperren fallen leer

Von dpa

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Wanderer stehen an der Talsperre Oderteich im Nationalpark Harz. Die anhaltende Trockenheit im Oberharz hat deutlich sichtbare Folgen: Eine der ältesten Talsperren Deutschlands, der Oderteich bei Oderbrück, leert sich mit großer Geschwindigkeit. Die Harzwasserwerke haben die Wasserabgabe vom Oderteich schon deutlich gedrosselt, damit die Talsperre nicht komplett leerläuft. Foto: Julian Stratenschulte/dpaWanderer stehen an der Talsperre Oderteich im Nationalpark Harz. Die anhaltende Trockenheit im Oberharz hat deutlich sichtbare Folgen: Eine der ältesten Talsperren Deutschlands, der Oderteich bei Oderbrück, leert sich mit großer Geschwindigkeit. Die Harzwasserwerke haben die Wasserabgabe vom Oderteich schon deutlich gedrosselt, damit die Talsperre nicht komplett leerläuft. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Amt Neuhaus. Bei Wasserständen am historischen Tief fällt nun auch die zweite wichtige Elbfähre im Nordosten Niedersachsens aus. In Neu Darchau fehlt nur noch ein Zentimeter zum Rekord von 1947. Und im Harz haben die Wasserwerke so wenig Regen verzeichnet wie nie.

Das Wasser war auch für sie zu flach: Die Elbfähre "Amt Neuhaus" hat als zweite wichtige Fähre im Nordosten Niedersachsens den Betrieb eingestellt. "Grund dafür ist das Niedrigwasser", sagte eine Sprecherin des Fährunternehmens am Montag. Die Dürre der vergangenen Wochen mache nicht nur der Landwirtschaft zu schaffen. Wann das Schiff den Betrieb wieder aufnehmen könne, sei noch offen.

Die Fähre "Amt Neuhaus" verbindet im Landkreis Lüneburg Bleckede mit Neu Bleckede am nordöstlichen Ufer der Elbe. Im Juli hatte bereits einige Kilometer flussaufwärts Fähre "Tanja" zwischen Darchau in der Gemeinde Amt Neuhaus und Neu Darchau den Dienst wegen der niedrigen Wasserstände einstellen müssen. Dass die "Amt Neuhaus" nun auch nicht mehr fährt, ist für viele Schüler und Pendler ein Problem. Sie müssen nun über die nächstgelegenen Elbbrücken in Lauenburg oder bei Dömitz fahren und dafür Umwege von bis zu 70 Kilometer in Kauf nehmen. Für Schüler wurde eine Not-Buslinie eingerichtet.

Wegen der Trockenheit könnte der Wasserspiegel der Elbe in der Region auf seinen niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1892 sinken. Am Pegel Neu Darchau im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden am Montag nur noch 68 Zentimeter gemessen, wie ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg sagte. Das war laut Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nur ein Zentimeter mehr als 1947. Der durchschnittliche Wasserstand liegt dort bei fast drei Metern.

"Wir haben schon überall in Niedersachsen niedrige Wasserstände, allerdings nicht überall im Bereich der Minusrekorde", sagte NLWKN-Sprecher Achim Stolz. "So liegt der Leine-Pegel Herrenhausen bei 72 Zentimetern." Der tiefste Wert wurde dort ebenfalls 1947 gemessen, da waren es nur 38 Zentimeter.

"Wir haben durch das trockene Sommerwetter keine Probleme für die Schifffahrt", sagte eine Sprecherin des WSA Bremen zur Lage auf der Unterweser. Hintergrund sei der Einfluss der Gezeiten.

Im Harz hat die Trockenheit deutlich sichtbare Folgen: "Von Februar bis Juli haben im Oberharz nur 297 Millimeter Niederschlag gemessen", sagte Harzwasserwerke-Sprecherin Marie Kleine. "Damit ist dieser Zeitraum der trockenste seit Beginn der uns vorliegenden Aufzeichnungen 1857." So ist der Oderteich bei Oderbrück, eine der ältesten Talsperren Deutschlands, beinahe trocken gefallen. "Wir verhindern das, um die Industrie zu versorgen", sagte Kleine. Der Stausee hat ein Fassungsvermögen von rund 1,7 Millionen Kubikmetern, nur noch 5 Prozent sind gefüllt. Er war schon in der Vergangenheit trocken gefallen, zuletzt 1991, 1999 und 2003.

Für die Verbraucher ist der leer laufende Oderteich kein Problem, er dient nicht unmittelbar der Trinkwasserversorgung. Die sechs großen Talsperren im Westharz, von denen drei direkt als Reservoir für Trinkwasser genutzt werden, waren am Montag mit insgesamt mehr als 91 Millionen Kubikmetern im Durchschnitt noch zu 50 Prozent gefüllt.

"Das ist für diese Jahreszeit durchschnittlich", sagte Kleine. "Das liegt daran, dass wir durch den Regen und das Hochwasser im vergangenen Jahr ein gutes Polster haben", erklärte sie. "Langfristig sehen wir aber durch den Klimawandel große Probleme auf uns zukommen", betonte sie. "Wir müssen uns technisch anpassen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten."


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