In WhatsApp-Gruppe geprahlt Ehemaliger Anwerber der Terrormiliz IS schuldig gesprochen

Von dpa

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Celle. In einer WhatsApp-Gruppe prahlten Kämpfer und Unterstützer des Islamischen Staats mit ihren Gräueltaten. Ein 23-Jähriger will auf der Flucht vor der Realität in die Szene geraten sein - jetzt erhielt er zwei Jahre Bewährungszeit.

Das Oberlandesgericht Celle hat einen 23-Jährigen wegen Werbens von Mitgliedern für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) schuldig gesprochen. Eine Strafe wurde am Freitag zunächst nicht verhängt. Der Türke aus Laatzen muss sich aber in einer zweijährigen Bewährungszeit unter anderem regelmäßig seinem Bewährungshelfer vorstellen, Wohnungs- und Arbeitsplatzwechsel melden und an einem Aussteigerprogramm für ehemalige Islamisten teilnehmen. Sollte der Mann innerhalb der Bewährungszeit gegen die Auflagen verstoßen, kann er in einem sogenannten Nachverfahren noch zu einer Jugendstrafe verurteilt werden, wie ein Gerichtssprecher erklärte.

Berichte über IS-Kämpfer und Märtyrer

Diese Verurteilung nach Paragraf 27 des Jugendgerichtsgesetzes sei relativ selten. Der 23-Jährige hatte zum Prozessauftakt den Vorwurf des Werbens für eine Terrorgruppe im Ausland eingeräumt. Er hatte im Frühjahr 2015 eine WhatsApp-Gruppe mit zeitweise bis zu 50 Teilnehmern eingerichtet, in der begeisterte Berichte über IS-Kämpfer und Märtyrer ausgetauscht wurden.

Liebeskummer und Realitätsverlust

In dem Chat hatte der damals 20-Jährige auch zwei junge Männer zur Ausreise nach Syrien ermutigt. Als Motiv gab er in einer Erklärung über seinen Verteidiger Liebeskummer und Realitätsverlust an. Er habe zur damaligen Zeit ständig Ballerspiele am Computer gespielt.

Inzwischen hat der 23-Jährige nach eigenem Bekunden eine feste Arbeitsstelle und will bald heiraten. Vor Gericht distanzierte er sich von den Gräueltaten der Terrormiliz, die in der Krisenzeit eine Faszination auf ihn ausgeübt habe.

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hatte am Freitag in ihrem Plädoyer eine Jugendstrafe von einem Jahr und acht Monaten gefordert. Die Verteidigung plädierte für ein Jahr Jugendstrafe.


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