Verbraucherschutzbericht 2017 Kontrolleure jagen Mogel-Thunfisch in Niedersachsen

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Das ist ein Thunfisch. Wenn er nicht mehr frisch ist, verliert sein Fleisch die Farbe. Es sei denn, die Lebensmittelindustrie hilft nach.Foto: PixabayDas ist ein Thunfisch. Wenn er nicht mehr frisch ist, verliert sein Fleisch die Farbe. Es sei denn, die Lebensmittelindustrie hilft nach.Foto: Pixabay

Hannover. Keime im Geflügel, Fipronil in Eiern und mit Gas aufgepeppter Thunfisch – Niedersachsens Lebensmittelkontrolleure hatten 2017 gut zu tun. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) wirbt um Mitarbeiter und Wertschätzung für Lebensmittel.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast hat eine Landesinitiative gegen Lebensmittelverschwendung angekündigt. „Wir werden einen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen entwickeln“, kündigte die CDU-Politikerin am Freitag in Hannover an. Immerhin würden mehr als 80 Kilo Lebensmittel pro Kopf und Jahr in den Müll wandern. Bis 2030 soll es nur noch die Hälfte sein.

62 223 Kontrollen im Jahr 2017

Anlass der Ankündigung war die Vorstellung des Verbraucherschutzberichts 2017. Demnach hatten Prüfer im vergangenen Jahr bei der Hälfte ihrer 62223 Kontrollen in 40300 Betrieben im Land Verstöße festgestellt. Von 28 559 Proben wurden 4547 beanstandet, 568 Bußgeld- und 69 Strafverfahren eingeleitet sowie eine öffentliche Warnung ausgesprochen.

Beim Essen wird getrickst

Obwohl die Zahlen einigermaßen stabil sind, sei die Gesundgefahr aber gesunken, sagte Hubert Meyer vom zuständigen Landkreistag. Denn die Zahl der gefährlichen Verunreinigungen nahm ab. Waren 2014 fielen noch 19 Prozent der Beanstandungen in die Kategorie gefährlich, waren es 2017 noch zwölf Prozent. Stattdessen häufen sich Hygienemängel und Lebensmittelbetrug, so genanntes „Food Fraud“.

Davon spricht man, wenn in dem Lebensmittel nicht das drin ist, was es verspricht. Mal ist das Hack aus Separatorenfleisch, mal wird die Wurst mit Wasser gestreckt: So kontrollierte das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) 21 Rinderrouladen und Cordon-Bleu-Schnitzel aus Kantinen: 14davon wurden beanstandet, weil die Roulade nicht nur aus Rind und das Schnitzel nicht aus einem Stück war.

Rosmarin lässt Thunfisch erröten

Die Lebensmittelindustrie hat auch andere Tricks drauf: So kann man Thunfisch mit Rosmarinextrakt oder Kohlenmonoxid eine rote Farbe, die ihn fälschlicherweise frisch erscheinen lässt. Das Dumme: Beim unbemerkten Verderb bildet der Fisch giftige Histamine.

Bei jedem fünften Thunfisch fand das Laves Tricksereien. Auch bei Craftbieren ist nicht immer genau das drin, was auf der Flasche steht: Die Kontrolleure fanden bei mehreren Proben Abweichungen bei Stammwürze und Alkoholgehalt. In veganem Käseersatz wurde teilweise Sorbinsäure gefunden. In 47 Prozent der Geflügelfleischproben wiesen die Prüfer Campylobakter-Bakterien nach. Bei mangelnder Küchenhygiene oder unzureichendem Durchgaren können die zu Durchfall führt.

Prüfer am Limit

„Zum Glück hatte ich in meiner Amtszeit noch keine echte Gefahr“, sagte Otte-Kinast. Doch auch ohne seien die Prüfer „an der Grenze dessen, was zu leisten ist“; mahnte Hubert Meyer. So wurden 2017 wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) 7364 Wildschweine auf ASP getestet. Das Land will wegen der Seuchengefahr einen eigenen Fallenjäger für Wildschweine einstellen. Otte-Kinast warb um das Berufsbild Lebensmittelkontrolleur und stellte neue Jobs in Aussicht.

Staudte: Ideologischer Facelift

Die Grünen sehen einen „ideologischen Facelift“ in dem ersten Bericht unter Otte-Kinast. So seien die Themen Tierschutz und Tiergesundheit kürzer ausgefallen und das Kapitel Antibiotika-Reduzierung weggefallen. „Dafür befasst sich der Bericht mit Fragen wie, ob es die Bezeichnung Pflanzen-Käse geben darf“, sagte die Agrarpolitikerin der Fraktion, Miriam Staudte.


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