Prozess beginnt Bank kauft Falschgold für 300 000 Euro von jungem Mann

Von dpa

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Ein 20-Jähriger soll gefälschte Goldbarren im Wert von 300.000 Euro an eine Bank verkauft haben. Foto: Sven Hoppe/dpaEin 20-Jähriger soll gefälschte Goldbarren im Wert von 300.000 Euro an eine Bank verkauft haben. Foto: Sven Hoppe/dpa

Göttingen . Wenn Banken Gold kaufen, prüfen sie es normalerweise auf Echtheit, bevor sie bezahlen. Ein Göttinger Geldinstitut hat darauf offenbar verzichtet und 300 000 Euro für Falschgold ausgegeben. Jetzt hat vor dem Amtsgericht Göttingen der Prozess gegen den beschuldigten jungen Mann begonnen

Dass Passanten in der Fußgängerzone vermeintlich echter Goldschmuck zum Kauf angeboten wird, so wie jüngst in Verden oder Rinteln, ist für die Polizei eher Routine. Auch dass die Täter mit ihrer Masche bisweilen Erfolg haben. Aber falsche Goldbarren, die einem Geldinstitut angeboten werden? Keine Chance, sollte man meinen. Doch eine Bank in Göttingen hat einem jungen Mann in zehn Fällen Falschgold nach Angaben der Staatsanwaltschaft abgekauft. Der Verkäufer strich für die wertlosen Barren und Münzen insgesamt rund 300 000 Euro ein.

Gewerbsmäßiger Betrug?

Der Bundesbank in Frankfurt sei ein vergleichbarer Fall nicht bekannt, sagte ein Sprecher. Banken kauften Gold im Regelfall nur unter Vorbehalt an und ließen es zunächst prüfen, bevor sie den Gegenwert ausbezahlten. Auch die Göttinger Staatsanwaltschaft zeigte sich überrascht. "Von einem derartigen Fall habe ich noch nie gehört", sagte Sprecher Andreas Buick. Seine Behörde hat den 20-jährigen Verkäufer wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt. Über den Betrug hatte zuvor das "Göttinger Tageblatt" berichtet.

Gold weiterverkauft

In dieser Woche hat vor dem Amtsgericht Göttingen der Prozess gegen den beschuldigten jungen Mann begonnen. Wann ein Urteil fällt, ist allerdings unklar. Das Verfahren sei ausgesetzt, sagte Richter Stefan Scherrer. Es müssten noch Details zum Schaden ermittelt werden, der der Göttinger Bank tatsächlich entstanden ist. Offen sei zudem, wie hoch der Schaden anderer Geldinstitute ist, an die Teile des falschen Goldes weiterverkauft worden seien sollen.

Fälschungen aus dem Internet

Klar ist hingegen, was dem Angeklagten vorgeworfen wird. Laut Staatsanwaltschaft hat der 20-Jährige in der zweiten Jahreshälfte 2016 der Bank in zehn Fällen gefälschte Goldbarren und -münzen verkauft. Die Fälschungen habe er zuvor im Internet günstig ersteigert. Das erste falsche Gold drehte der damals 18-Jährige der Bank im September 2016 an, wie es von der Staatsanwaltschaft hieß. Er verkaufte vier Barren und eine Krügerrand-Münze. Dafür strich er knapp 6000 Euro ein. Vom eigenen Erfolg angestachelt sei er bis Ende November noch neun weitere Male am Schalter erschienen. Dabei habe er mal 20, mal 40 und in einem Fall sogar 80 Barren vermeintliches Gold verkauft. Von den gut 300 000 Euro, die er insgesamt kassierte, hätten die Behörden noch etwa 183 000 Euro sicherstellen können, sagte Oberstaatsanwalt Buick.

Das im Internet angebotene Falschgold könnte nach Einschätzung von Experten aus China stammen. Dort werden Barren aus Kupfer, Messing oder Wolfram mit einer dünnen Schicht Gold überzogen und dann zu Mini-Preisen angeboten. Nach Angaben der Bundesbank gibt es in Asien Internet-Plattformen, die entsprechende Fälschungen verkaufen.

Einfache Überprüfung

Fachleute könnten derartiges Falschgold durch eine visuelle Überprüfung, eine Klangprobe und weitere sensorische Prüfungen relativ schnell und einfach erkennen, erklärte ein Sprecher. "Weitere Prüfmöglichkeiten sind die elektrische Leitfähigkeit, die Ultraschallprüfung oder die Bestimmung der spezifischen Dichte", hieß es in einer Mitteilung der Bundesbank.

Täuschend echte Verpackungen

In der Göttinger Bank merkte nach Angaben eines Gerichtssprechers lange Zeit allerdings niemand etwas von den Betrügereien. Dies könnte auch daran gelegen haben, dass die gefälschten Barren sich in täuschend echt aussehenden Verpackungen befanden hätten. Erst als schließlich auch die Mutter des 20-Jährigen Falschgold verkaufen wollte, lehnte die Bank ab. Die 51-Jährige steht wegen Betrugsversuchs zusammen mit ihrem Sohn vor Gericht.

Die Bank wollte am Donnerstag "mit Blick auf das laufend Verfahren und das junge Alter eines der Angeklagten" keine näheren Angaben machen. Ein Sprecher erklärte lediglich, das Strafverfahren gehe auf Initiative seines Geldinstituts zurück. Kunden der Bank sei kein Schaden entstanden.


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