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15.08.2018, 18:52 Uhr KOMMENTAR

Flaute mit Ansage

Kommentar von Klaus Wieschemeyer

Bei Enercon und den zahlreichen Unterfirmen droht der Wegfall von mehr als 800 Jobs. Foto: dpaBei Enercon und den zahlreichen Unterfirmen droht der Wegfall von mehr als 800 Jobs. Foto: dpa

Der Windkraftbranche in Niedersachsen droht ein struktureller Fadenriss. Daran hat die Politik einen großen Anteil, glaubt unser Kommentator.

Der Stellenabbau beim deutschen Windenergieprimus Enercon kommt alles andere als überraschend. Bereits seit mehr als einem Jahr zeichnet sich in der Branche eine Auftragsflaute ab, die zu einem gehörigen Teil von der Politik verschuldet ist.

Die Hersteller kämpfen vor allem mit Folgen eines 2016 beschlossenen fehlerhaften Ausschreibungsmodells. Der geplante Schutz von Bürgerenergieprojekten entpuppte sich als Investitionsbremse. Das Problem ist zwar altbekannt, doch die Berliner Politik war vor und nach der Wahl 2017 zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um es anzugehen. Dass es unter dem damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel überhaupt zu Ausbaubegrenzungen kam, liegt wiederum an der Unfähigkeit des Bundes, den Netzausbau schnell voranzutreiben. Solange der Windstrom des Nordens nicht zu den Fabriken des Südens fließen kann, sind neue Rotoren lediglich Kostentreiber für die Endkunden.

Der nun drohende Kahlschlag in der Branche ist umso bitterer, als dass die nun vor der Entlassung stehenden Mitarbeiter schon bald wieder dringend gesucht werden könnten. Denn die Groko in Berlin will Netze und erneuerbare Energien eigentlich schnell ausbauen. Deshalb muss nun Schluss sein mit dem Zögern und Zaudern. Wenn die Jobs erst weg sind, kommen sie nicht wieder nach Deutschland zurück.


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