Land appelliert an Altmaier Windkraftkrise: Althusmann attackiert Enercon-Chefs

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Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU, Mitte) sprach am Mittwoch zu den Demonstranten in Hannover. Foto: dpaNiedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU, Mitte) sprach am Mittwoch zu den Demonstranten in Hannover. Foto: dpa

Hannover. Nach der Ankündigung von Stellenstreichungen beim Windanlagenbauer Enercon hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann den Bund zu neuen Windkraftausschreibungen aufgefordert.

Die Nicht-Teilnahme der Unternehmensleitung des Windanlagenbauers Enercon an einem Krisengipfel der Landesregierung am Mittwoch in Hannover hat für scharfe Kritik gesorgt. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) bezeichnete es als „mehr als bedauerlich“, dass das Unternehmen keine Vertreter geschickt hatte. Der Minister betonte, dass er weiterhin den Dialog mit dem Unternehmen suche. „Wir haben alle ein Interesse, dass Windenergie wieder ein Erfolgmodell wird“, sagte Althusmann.

Hunderte Stellen bedroht

Enercon hatte wegen der Flaute im Windenergiemarkt massive Stellenstreichungen, angekündigt. Demnach sollen etwa 835 Stellen im Unternehmen und bei Zulieferern wegfallen – ein Großteil an den Standorten Haren, Aurich, Emden und Westerstede. Als Grund für den Auftragseinbruch macht Althusmann vor allem Probleme bei Projektausschreibungen verantwortlich. Weil viele Bürgerenergiegesellschaften den Zuschlag bekommen hätten, die aber keine Windparks bauten, gebe es einen Auftragseinbruch.

Althusmann forderte am Mittwochabend Bundesminister Peter Altmaier (CDU) auf, „so schnell wie möglich“ bereits angekündigte Sonderausschreibungen auf den Weg zu bringen, um der Branche in den Jahren 2019 und 2020 neue Aufträge zu verschaffen.

Demonstration in Hannover

Am Donnerstagmorgen ist in Emden ein Treffen Altmaiers mit Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) zu diesem Thema angesetzt. Altmaier besucht derzeit Niedersachsen, um für einen schnelleren Ausbau der Stromnetze nach Süden zu werben.

Am Mittwoch demonstrierten knapp 200 Enercon-Mitarbeiter vor dem Wirtschaftsministerium in Hannover gegen den geplanten Stellenabbau. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, bezeichnete die Nicht-Teilnahme Enercons an dem Gespräch mit dem Wirtschaftsminister als „Sauerei“. „So kann man mit der Belegschaft nicht umgehen“, rief Geiken den Enercon-Mitarbeitern zu, die mit Trillerpfeifen und einem ohrenbetäubendem Lärm ihrem Ärger Luft machten. „Wir haben für die Firma jahrelang alles gegeben“, sagte Heinz Kleen vom Enercon-Ableger WEC Site Services in Westerstede.

Kritik der Gewerkschaften

Die Geschäftsführung wolle nicht nur die Mitbestimmung aushebeln, sondern auch mit einem unübersichtlichen Konzerngeflecht „Steuern umgehen“, kritisierte Geiken, der die klare Erwartung an Enercon im Namen der gesamten Belegschaft formulierte: „Dass das Unternehmen, das Land, der Bund und die Gewerkschaften nach Brückenlösungen suchen“.Auch die Grünen kritisierten das Fernbleiben. Die Emder Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz bezeichnete die Abwesenheit als „Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmerinteressen“. Zudem lasse es „tief blicken“, dass die Enercon-Geschäftsführung es nicht für nötig befinde, mit dem Landesminister zu sprechen.


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