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14.08.2018, 17:30 Uhr KOMMENTAR

Der SPD droht ein Hannover-Trauma

Kommentar von Klaus Wieschemeyer

Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). Foto: dpaHannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). Foto: dpa

Die Rathausaffäre in Hannover zieht immer weitere Kreise. Der unter Druck stehende SPD-Oberbürgermeister wird zum Problem für seine Partei.

Dass Bürgermeister die örtliche Presse manchmal nicht sonderlich mögen, liegt in der Natur der Sache. Immerhin soll die Presse den Mächtigen auf die Finger schauen. Der Vorwurf illegaler Informationsbeschaffung, den Hannovers Oberbürgermeister gegenüber einem Lokalzeitungsjournalisten erhebt, hat aber eine besondere Qualität. Umso mehr, als die Stadt bislang keine Belege für ihre Behauptung liefern kann.

Ginge es um irgendeine Stadt irgendwo, könnte man das Ganze als Lokalposse abtun. Doch es geht um Niedersachsens größte Metropole und Landeshauptstadt. Zudem trifft die monatelange Lähmung der Stadtspitze durch die Rathausaffäre eine Hochburg der Sozialdemokraten. Die SPD verhält sich zu Hannover in etwa so wie die CSU zu Bayern. Dass die Partei dort regiert, gilt als ausgemacht. Offen ist nur, ob man auch einen Koalitionspartner braucht. Angesichts der derzeitigen bundesweiten SPD-Formschwäche würde eine Neuwahl des Oberbürgermeisters erstmals seit Jahrzehnten zum Risiko. Und ein Machtverlust in ihrem Kraftzentrum wäre ein Trauma für die sonst so erfolgsverwöhnte Niedersachsen-SPD.

Bislang haben die Genossen Schostok in der Affäre den Rücken gestärkt. Doch mit jedem neuen Fehler steigt der Druck. Lange wird er ihm wohl nicht mehr standhalten können.


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