Kugel verletzte Zwölfjährige schwer Urteil im Prozess um Schuss auf Mädchen an Silvester erwartet

Von dpa

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Ein Polizeiwagen stand an dem abgesperrten Tatort in Salzgitter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++Ein Polizeiwagen stand an dem abgesperrten Tatort in Salzgitter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Braunschweig/Salzgitter. Während andere in der Neujahrsnacht Böller zünden, feuert ein 69-Jähriger mehrere Schüsse aus einer scharfen Pistole ab. Eine Kugel verletzt eine Zwölfjährige schwer. Muss der Mann wegen versuchten Totschlags ins Gefängnis?

Im Prozess um Pistolen-Schüsse in eine Menschenmenge in der Silvesternacht wird am Dienstag das Urteil vor dem Landgericht Braunschweig erwartet. Eine Zwölfjährige aus Salzgitter erlitt am frühen Neujahrsmorgen 2018 einen Lungen- und Rippendurchschuss, musste lange im Krankenhaus behandelt werden und ist nach Auskunft ihrer Eltern immer noch traumatisiert. 

Wegen versuchten Totschlags angeklagt ist ein 69 Jahre alter ehemaliger Cafébetreiber, der Nachbar der Familie des Opfers. Der Türke hatte zum Prozessauftakt tief bedauert, das Mädchen derart schwer verletzt zu haben. Das Kind hatte mit seinen Eltern auf der Straße gestanden, um sich das Silvesterfeuerwerk anzuschauen.

Die Staatsanwaltschaft plädierte am vergangenen Donnerstag laut einer Gerichtssprecherin für eine dreijährige Freiheitsstrafe. Der Verteidiger forderte eine zweijährige Bewährungsstrafe, weil der Mann nicht vorsätzlich gehandelt habe.

Mit Neun-Millimeter-Pistole aus Fenster geschossen

Nach eigener Darstellung hatte der 69-Jährige mit seiner Neun-Millimeter-Pistole aus dem geöffneten Fenster seines Cafés in die Luft geschossen. Dass die letzten Schüsse nahezu waagerecht fielen, sei auf keinen Fall beabsichtigt gewesen und unverzeihlich, hatte er am ersten Verhandlungstag beteuert. Er habe an dem Abend mehr Alkohol getrunken als sonst. Die Nebenklage, die die Eltern vertritt, stellte keinen eigenen Antrag.

Die Mutter des Opfers hatte als Zeugin im Gerichtssaal geschildert, wie sich ihre Tochter mit dem Rücken voller Blut auf sie geworfen und geschrien habe: "Mutter, ich bin angeschossen worden!" Die Familie hat auch türkische Wurzeln, sie kannte den Betreiber des Cafés in der Nachbarschaft vor der Tat nur vom Sehen.


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