Unfall in Braunschweig 15-Jähriger stirbt bei Absturz von Segelflieger: Fragen und Antworten

Von dpa

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Die Trümmer des verunglückten Segelflugzeugs liegen auf einem Friedhof im Braunschweiger Stadtteil Waggum. Foto: Lara Hann/news38/dpaDie Trümmer des verunglückten Segelflugzeugs liegen auf einem Friedhof im Braunschweiger Stadtteil Waggum. Foto: Lara Hann/news38/dpa

Braunschweig . Der tödliche Absturz eines 15-jährigen Segelfliegers in Braunschweig wirft viele Fragen auf. Erste Ermittlungen laufen. Fragen und Antworten zum Absturz.

Ein 15-Jähriger stürzt in Braunschweig mit einem Segelflugzeug ab und kommt ums Leben. Der Jugendliche versucht noch, sich mit einem Sprung zu retten, doch der Fallschirm öffnet nicht.

Durfte er in dem Alter allein im Cockpit sitzen? "Er durfte", sagt der Geschäftsführer des DAeC-Landesverbands Niedersachsen, Gunter Bertram. Minderjährige Flugschüler sind beim Deutschen Aero-Club (DAeC) keine Seltenheit.

Was ist über den Unfallhergang bekannt?

Obwohl die Ermittlungen ganz am Anfang stehen, gibt es erste Hinweise. Beobachter berichteten von einer Art Seitengleitflug mit starkem Höhenverlust in der Platzrunde. Nach dpa-Informationen hatte der junge Pilot über Funk Steuerprobleme gemeldet, so dass sich die Ermittlungen nun auf die Ruder-Befestigung konzentrieren. Die beweglichen Teile am Tragflächenende (Querruder) sowie am Leitwerk (Seiten-/Höhenruder) sind für Lage-Veränderungen des Flugzeugs wichtig – etwa bei Kurven oder Steig- und Sinkflug. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den Fluglehrer des Teenagers wegen eines Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung.

Wie sicher sind solche Segelflugzeuge?

Viele Clubs und Vereine schreiben Baustunden vor, bei denen die Maschinen von entsprechend ausgebildeten Mitgliedern gewartet oder repariert werden. Doch auch beim Segelflug gelten die strengen Regeln der Zivilluftfahrt: Jedes Flugzeug wird durch einen vom Luftfahrt-Bundesamt lizenzierten Prüfer jährlich kontrolliert. Viele Hochleistungs-Flugzeuge bestehen aus Faserverbundwerkstoff. Zur Schulung werden aber auch noch ältere Maschinen in Holzbauweise wie die anspruchsvolle Ka 6 eingesetzt, mit der der 15-Jährige verunglückte. Der Flugschüler saß nach Club-Angaben am Unfalltag erstmals in einem Schulterdecker dieses Typs.

Ab wann kann mit der Segelfug-Ausbildung begonnen werden?

Den Traum vom Fliegen können Jugendliche schon ab dem Alter von 14 Jahren verwirklichen – vorausgesetzt, ein Fliegerarzt hat ihnen zuvor die körperliche und geistige Tauglichkeit bescheinigt. Allerdings wird der Luftfahrerschein dann frühestens am 16. Geburtstag ausgehändigt – selbst, wenn die Prüfung schon vorher erfolgreich abgelegt wurde. Diese Lizenz gilt unbefristet, wenn man die nötigen Mindestflugstunden innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit nachweist und der Fliegerarzt keine Bedenken hat.

Dürfen Jugendliche vor dem 16. Geburtstag alleine fliegen?

Ja. In der praktischen Ausbildung werden zunächst mit einem Fluglehrer an Bord elementare Dinge wie Starten, Fliegen und Landen vermittelt. Danach steht der erste Soloflug an: einmal rund um den Platz. Weitere Übungen kommen hinzu. Der Fluglehrer hält dabei vom Boden aus Funkkontakt – wie bei dem verunglückten 15-Jährigen, der in diesem Jahr nach Vereinsangaben bereits 50 Starts und Landungen absolviert hatte. In einem späteren Abschnitt der Ausbildung werden erfahrene Schüler mit einem Flugauftrag ihres Lehrers auf anspruchsvollere Navigationsflüge über Land geschickt.

Reicht die erworbene praktische Flugerfahrung aus?

Nein. Im vereinsinternen Theorie-Unterricht müssen die Flugschüler außerhalb der Flugsaison Wetterkunde, Navigation, Technik, den Aufbau der Luftraumstruktur oder auch das Verhalten in besonderen Fällen büffeln, bevor sie sich für die entsprechenden Prüfungen anmelden dürfen. Hinzu kommt das durchaus anspruchsvolle Wissen für das Funksprechzeugnis, das bei Überlandflügen Voraussetzung ist. 

Wie lange dauert so eine Ausbildung?

Sie ist in einem Verein relativ preiswert, dauert aber meist länger als in einer gewerblichen Flugschule. Denn für die Ausbildung stehen meist nur Wochenenden und Feiertage während der Flugsaison (meist von April bis Ende Oktober) zur Verfügung, so dass sich die Ausbildung zwei bis drei Jahre hinziehen kann. Segelfliegen ist zudem ein zeitintensiver Sport, bei dem viele Hände nötig sind, um das antriebslose Flugzeug in die Höhe zu bekommen.


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