Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen Niedersächsische Lehrer wollen demonstrieren

Von Stefanie Witte

Auch im kommenden Schuljahr werden wieder viele Lehrer an andere Schulen geschickt. Foto: dpaAuch im kommenden Schuljahr werden wieder viele Lehrer an andere Schulen geschickt. Foto: dpa

Osnabrück. Die niedersächsische Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will mit Klagen und einer Demonstration bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer und pädagogische Fachkräfte herbeiführen.

Am 13. September – parallel zu den Haushaltsberatungen – sollen mehrere Tausend Lehrer vor dem Landtag in Hannover für eine bessere Bildungsfinanzierung demonstrieren, kündigte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth an. Kernforderung: Eine bessere Bezahlung für Grund-, Haupt- und Realschullehrer und mehr pädagogische und therapeutische Fachkräfte.

Zu Beginn des neuen Schuljahres kritisierte Pooth: „Meine Kolleginnen und Kollegen starten unter erschwerten Bedingungen.“ Zahlreiche Quereinsteiger, aber auch viele Pensionäre müssten einspringen, um die Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Rund 3000 Lehrer müssten zudem an anderen Schulen aushelfen. Auf dem Arbeitsmarkt seien vor allem Gymnasiallehrkräfte verfügbar. Diese alljährlich an andere Schulformen abzuordnen, sei keine Lösung, sagte Pooth. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Julia Hamburg, beatätigte das: „Das Abordnungskarussell richtet vor allem Chaos an. Grundschulen können mit einer Vielzahl von Abgeordneten Lehrkräften, die immer nur für ein paar Stunden im Einsatz sind, keinen guten Unterricht organisieren.“

Anfang des Monats waren von 2000 ausgeschriebenen Lehrerstellen 1840 besetzt. Gleichzeitig zahlten benachbarte Bundesländer zum Teil wesentlich besser, fügte Pooth hinzu. Sie spricht von durchschnittlich 500 Euro pro Monat. Die Gewerkschaft fordert daher eine Anhebung der Besoldungsgruppen für Grund-, Haupt- und Realschullehrer. Gleichzeitig müsse das zugehörige Studium attraktiver werden. Und es brauche mehr Studienplätze. Ein weiteres Thema sind die Überstunden an allen Schulformen. Jedes Jahr verfielen laut einer entsprechenden Arbeitszeitstudie rund 2,47 Millionen Überstunden ohne zeitlichen oder finanziellen Ausgleich, prangert die GEW an. Das Land müsse endlich Vorschläge zum Abbau und Ausgleich machen, forderte Pooth. Gegen Überlastung klagten aktuell mehrere Lehrer mit Unterstützung der GEW. Die erste Klage werde voraussichtlich in Osnabrück verhandelt. „Die 40-Stunden-Woche muss eingehalten werden“, sagte Pooth und fügte hinzu: „Will der neue Minister nun auch Prozesse verlieren oder politisch gestalten?“


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