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37 Verhandlungstage angesetzt Ex-Polizeichef im Untreue-Prozess: „Ich bin unschuldig"

Von dpa

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Eine Dienstwagenaffäre hat die Polizei in Oldenburg lange in Atem gehalten. Jetzt muss der ehemalige Polizeichef von Wilhelmshaven vors Gericht. Foto: dpaEine Dienstwagenaffäre hat die Polizei in Oldenburg lange in Atem gehalten. Jetzt muss der ehemalige Polizeichef von Wilhelmshaven vors Gericht. Foto: dpa

Wilhelmshaven. Ein Polizeichef soll seinen Dienstwagen auch privat genutzt haben. Jahre später steht er wegen Untreue vor Gericht. Inzwischen ist er im Ruhestand und gibt zu, sich nicht immer geschickt verhalten zu haben.

Er sei ein Polizist mit Biss gewesen. „Mein Pensum war für viele unbegreiflich“, sagt der frühere Chef der Wilhelmshavener Polizei vor dem Landgericht Oldenburg über sich. Wurde diese Arbeitswut Henning von Dincklage zum Verhängnis? Der einstige Ermittler steht seit gestern vor Gericht. Der Vorwurf: Untreue in 90 Fällen, weil er seinen Dienstwagen unrechtmäßig genutzt haben soll. Doch das weist der 63-Jährige, der inzwischen im Ruhestand ist, von sich: „Ich bin unschuldig“, sagt er.

Zwischen Mai 2011 und März 2013 soll der damalige Leiter der Inspektion Wilhelmshaven/Friesland sich in regelmäßigen Abständen von seinem Haus in Oldenburg abholen, zur Dienstelle oder Terminen fahren und wieder zurück nach Hause bringen lassen haben. Bei den Fahrten sei dem Land Niedersachsen jeweils ein Schaden zwischen rund 2 bis 138 Euro entstanden. Eine Gesamtsumme nannte der Staatsanwalt nicht.

Der Angeklagte gab zu, dass sein Verhalten damals wohl für Gerüchte gesorgt habe. Aber: „Das sind Fahrten, die ich erklären kann, die alle dienstlich waren.“ Zu dem Zeitpunkt habe er nicht mehr in Oldenburg gewohnt. „Es wussten alle, dass ich in Papenburg wohnte.“ Er habe es aber versäumt, sich umzumelden.

Von Papenburg aus sei er etwa zwei- bis dreimal im Monat morgens in seinem eigenen Auto nach Oldenburg gefahren, um an Besprechungen in der Polizeidirektion teilzunehmen. Danach habe er sich von Fahrern mit den Dienstwagen aus Wilhelmshaven abholen und zur Inspektion oder Terminen bringen lassen, sagte der 63-Jährige. Allerdings traf er sich mit diesen nicht vor der Polizeidirektion, sondern in der Nähe seiner leer stehenden Wohnung. Die Fahrer hätten ihn darum gebeten, weil der Ort besser zu erreichen gewesen sei, so der Angeklagte.

Doch wieso habe er so oft frühmorgens oder am Nachmittag noch zu Gesprächen oder für Unterlagen nach Oldenburg fahren müssen, fragte der Vorsitzende Richter Ralf Busch. „Wieso haben Sie es sich nicht leichter gemacht?“ Er hätte sich Dokumente doch auch faxen oder per E-Mail schicken lassen können. „Vielleicht hätte man das einfacher haben können“, räumte der Angeklagte ein. „Mein Naturell war eben anders.“

Alle Fahrten und deren Gründe aufzuklären, das wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Kammer hat deshalb bis Ende Dezember 37 Verhandlungstage angesetzt. 52 Zeugen sind geladen. Den Beginn machen am Dienstag Oldenburgs Polizeipräsident und sein Vorgänger. 


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