Hitze beschert Thermik satt Niedersachsens Segelflieger im Aufwind – aber mehr Unfälle

Von dpa

Die anhaltende Hitze beschert den Segelfliegern in Niedersachsen eine gute Thermik. Foto: dpaDie anhaltende Hitze beschert den Segelfliegern in Niedersachsen eine gute Thermik. Foto: dpa

Hannover. Segelflieger schrauben sich in diesem Sommer besonders oft in die Höhe. Vor allem im Norden Deutschlands gehören sie zu den Profiteuren der ungewöhnlichen Hitze. Es gibt aber auch bedenkliche Tendenzen.

Die anhaltende Hitze beflügelt die Segelflieger im Land. Warme Luft bedeutet Aufwinde - vor allem über trockenen Böden wie in der Lüneburger Heide. Sie bescheren den rund 3300 Segelfliegern im DAeC-Landesverband jede Menge Flugstunden. Niedersachsens Landeschef Günter Bertram vom Deutschen Aero-Club (DAeC) sagt: „Ja, bei uns wird eindeutig mehr geflogen als sonst; seit Mai haben wir konstant gute Wetterbedingungen.“

Lehrer voll ausgelastet

Sie waren für Segelflieger im Norden Deutschlands diesmal zeitweise deutlich besser als in südlichen Bundesländern. In 62 der 91 Vereine im Land sind die 530 Fluglehrer derzeit voll ausgelastet. „Anders als im Vorjahr, wo wir wetterbedingt fast 30 Prozent Ausfälle hatten, laufen auch unsere Wettbewerbe in diesem Jahr alle sehr gut“, sagt die DAeC-Segelflugexpertin Cornelia Gonet. Dabei entscheidet im Wesentlichen die Thermik, wann geflogen werden kann.

Bei der Thermik handelt es sich um durch Erwärmung des Bodens und der darüber liegenden Luftschichten hervorgerufene Aufwinde. Neben den motorlosen Segelflugzeugen nutzen sie auch Adler, Bussarde oder andere Greifvögel, um sich kreisend in die Höhe zu schrauben. In 2000 bis 3000 Metern Höhe ist von der Hitze nichts mehr zu merken. „Da oben ist es dann angenehm kühl“, sagt Bertram.

Weniger tödliche Unfälle

Bundesweit sind im DAeC, der in zwei- bis dreijährigen Kursen seinen Nachwuchs selbst ausbildet, rund 27 000 Segelflugpiloten registriert. Von schweren Unfällen sind die Segelflieger in Niedersachsen im ersten Halbjahr weitgehend verschont geblieben. „Im Schulbetrieb ist mir in diesem Jahr nichts bekannt, aber wir haben auch noch keine konkreten Zahlen vorliegen“, berichtet Bertram.

Mit zunehmenden Starts und Landungen gibt es allerdings nach einer Sonderauswertung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) auch mehr Unfälle. Den bundesweit 31 Unfällen mit Segelflugzeugen aus dem ersten Halbjahr 2017 stehen zwischen Januar und Mitte Juli nun 39 derartige Unglücke entgegen. Einen Anstieg gab es auch bei den Schwerverletzten: Hier stieg die Zahl von drei auf sieben.

Eine sinkende Tendenz registrierte die BFU in Braunschweig im genannten Zeitraum jedoch bei der Zahl der tödlichen Unfälle. Bundesweit kamen in diesem Jahr bis Mitte Juli drei Segelflieger bei Unfällen ums Leben, im Vorjahreszeitraum hatte es einen Toten mehr gegeben.


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