Niedersachsen und Bremen Fast Sahara-Temperaturen: Rennen um den heißesten Tag im Jahr

Von dpa

Niedersachsen, Wahrenholz: Milchbauer Helmut Evers schaltet eine Kuhdusche in seinem Kuhstall an. Foto: Holger Hollemann/dpaNiedersachsen, Wahrenholz: Milchbauer Helmut Evers schaltet eine Kuhdusche in seinem Kuhstall an. Foto: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Sonne satt und Temperaturen, die höher sind als auf Mallorca, in Rom und Athen: Niedersachsen und Bremen glüht im Hochsommer. Das Rennen um den heißesten Tag des Jahres ist dabei noch offen.

Mit Temperaturen um die 35 Grad haben viele Regionen Niedersachsens und Bremen eine jahresrekordverdächtige Hitze erlebt. Ob der Donnerstag wirklich der bislang heißeste Tag des Jahres in Niedersachsen war, ist noch nicht raus: „Es könnte eng werden“, sagte der diensthabende Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst am Standort Hamburg, Markus Eifried, am Donnerstagnachmittag. Der Mittwoch war bislang mit Toptemperaturen von 36 bis 37 Grad in einigen Regionen Titelhalter. Zum Vergleich: Mallorca hatte am Donnerstag 33 Grad, Rom 31 Grad und Athen lauschige 29 Grad. In Tamanrasset in der Sahara war es mit 38 Grad aber wärmer als in Niedersachsen. (Weiterlesen: Warum Lingen immer wieder der heißeste Ort Deutschlands ist)

Krisenstimmung bei den Landwirten

Während Nordseeurlauber in Copacabana-Stimmung sind, haben die Landwirte längst auf Krisenmodus geschaltet. Die ungewöhnlich lange und zudem extrem große Hitze über mehrere Wochen bereite den Landwirten erhebliche Sorgen. „Die Sonne hat die Erträge auf den Feldern regelrecht weggetrocknet“, berichtet das Landvolk Niedersachsen. Der Verband rechnet als Folge der Dürre mit Verlusten für die Landwirtschaft im Milliardenbereich. (Weiterlesen: DWD verlängert Hitzewarnung für die Region erneut)

Kuhdusche und Eisbomben

Auch den Kühen ist zu warm. Sie geben weniger Milch. Manche Landwirte nutzen Sprinkleranlagen, die als Kuhdusche fungieren. Auch in Schweine- und Geflügelställen setzen die Bauern auf Sprühkühlung der Stallgebäude. Die Lüftungsanlagen laufen auf höchster Stufe. Bei Elefanten, Vielfraßen, Bären und anderen Zoo-Tieren steht derzeit zu Eisbomben gefrorenes Futter hoch im Kurs. Geschmacksrichtungen: Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch. (Weiterlesen: Hitze: Tropenkenner empfiehlt warmes Wasser und scharfes Essen)

„Auch die Vögel leiden unter dem Wassermangel“, sagte Bernd Quellmalz von der Umweltschutzorganisation BUND Bremen. Sein Rat: Vogeltränken im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon aufstellen. „Das Wasser und die Tränke müssen aber auf jeden Fall sauber bleiben.“

Mehrere Badeunfälle

Mensch und Tier suchen die Abkühlung im Wasser. Freibäder, Seen, Flüsse und das Meer bieten genügend Möglichkeiten, ins kühle Nass zu tauchen. Die Freibäder in Hannover haben schon jetzt die Besucherzahlen aus dem Vorjahr erreicht. Polizei und Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft mahnen die Badenden aber zur Vorsicht. „Nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ins Wasser und langsam abkühlen“, rät Nico Reiners vom DLRG-Landesverband Niedersachsen. Wie gefährlich das Baden sein kann, belegt die in dieser Woche drastisch gestiegene Zahl von Badetoten. Allein seit Dienstag starben in Niedersachsen fünf Männer in offenen Gewässern. Bei drei Fällen waren die Opfer zwischen 19 und 22 Jahre alt. (Weiterlesen: Tragisches Unglück im Dankernsee: 54-Jähriger stirbt)

Ein Unwetter fegte am Mittwochabend über Regionen im westlichen Niedersachsen hinweg und richtete Schäden an. Betroffen waren auch Fahrgäste der Deutschen Bahn. Zwischen Verden und Rotenburg/Wümme stürzte ein Baum auf die Oberleitung, dadurch wurde ein ICE gestoppt – seine Klimaanlage konnte ohne die Stromzufuhr nicht mehr laufen. Wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte, wurden rasch die Türen geöffnet, einige Fahrgäste stiegen aus. Alle seien sehr schnell mit Getränken versorgt worden. (Weiterlesen: Unwetter: Zeltlager überflutet, ICE gestrandet, Bäume entwurzelt)


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