Flotten ausgelastet Reeder sehen Gefahr durch US-Handelspolitik

Von dpa

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Zwei Drittel der Reeder befürchten negative Konsequenzen der aktuellen US-Handelspolitik. Symbolfoto: dpaZwei Drittel der Reeder befürchten negative Konsequenzen der aktuellen US-Handelspolitik. Symbolfoto: dpa

Hamburg. Die deutschen Reeder sind in einer paradoxen Situation: Nach zehn Jahren Krise geht es ihnen endlich wieder etwas besser, die Zuversicht wächst. Doch schon drohen neue Unwägbarkeiten.

Die Reeder in Deutschland haben nach vielen dürren Jahren wieder Grund zur Hoffnung. Drei Viertel von ihnen erwarten in den kommenden zwölf Monaten steigende Erlöse, meldete das Beratungsunternehmen PwC als Ergebnis einer Studie am Donnerstag in Hamburg. Das sei der höchste Wert seit dem Beginn der Branchenkrise vor zehn Jahren.

Gleichzeitig berichteten neun von zehn Reedern von ausgelasteten Flotten, kaum noch einer will Schiffe verkaufen oder verschrotten. „Nach Jahren der Konsolidierung gibt es in der Branche einige Hoffnungsschimmer, wenn auch zarte", sagte PwC-Experte Claus Brandt. Fracht- und Charterraten hätten sich seit dem Jahresbeginn stabilisiert.

Die deutsche Flotte ist durch die lange Schifffahrtskrise deutlich geschrumpft. Bei der letzten offiziellen Veröffentlichung vor einem Jahr umfasste sie noch rund 2700 Schiffe, das sind etwa 1000 weniger als zu den besten Zeiten. Brandt erwartet, dass es nicht weniger als 2000 Schiffe werden. „Unabhängig von aktuellen Handelskonflikten erwartet eine Mehrheit der Reeder weiterhin langfristiges Wachstum", sagte er. „Zwei Drittel sind der Ansicht, dass der Welthandel auf einen stabilen Wachstumskurs einschwenken wird."

Eine wichtige Rolle könnten dabei die Schwellenländer spielen. Mehr als 90 Prozent der Reeder seien davon überzeugt, dass der steigende Konsum in den wirtschaftlich aufstrebenden und bevölkerungsreichen Ländern auch zu einer Verlagerung der Warenströme führen wird.

Reeder sehen freien Welthandel wegen Strafzöllen bedroht

Trotz ihrer grundsätzlichen Zuversicht sind die Reeder jedoch besorgt wegen der aktuellen Strafzölle der USA, der Gegenmaßnahmen der EU und Chinas sowie Sanktionen und Handelsbeschränkungen. Diese bedrohen aus Sicht der Branche den freien Welthandel und die Unternehmen selbst.

Zwei Drittel der Reeder befürchten negative Konsequenzen der aktuellen US-Handelspolitik. Nur jeder zehnte Reeder geht demnach davon aus, dass die neue Politik der US-Regierung ohne Folgen für die Schifffahrtsbranche bleiben wird.

Das Gesicht der Schifffahrt wird sich so oder so wandeln: Der steigende Wettbewerbsdruck und die digitale Veränderung der weltweiten Wertschöpfungsketten mache vor den Reedern nicht halt, sagte Brandt. So wollten zwei Drittel neue Geschäftsfelder erschließen und sich zum Beispiel zu Logistik-Dienstleistern weiterentwickeln und die gesamte Transportkette organisieren. Obwohl die Reeder bei einer solchen Expansion auf entwickelte Märkte stoßen, hätten sie eine hervorragende Chance, sich neu zu positionieren.


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