Wahlklatsche in Niedersachsen Grünen-Chefin Kura widerspricht Wahlanalyse

Von Klaus Wieschemeyer

Anne Kura hält die Grünen-Verluste in den Großstädten für nicht so dramatisch. Foto: Sven BrauersAnne Kura hält die Grünen-Verluste in den Großstädten für nicht so dramatisch. Foto: Sven Brauers

Hannover Hat die Formschwäche in den eigenen Hochburgen zur Niederlage der Grünen bei der Landtagswahl 2017 geführt? Eine interne Studie bescheinigt das der Partei. Grünen-Chefin Anne Kura widerspricht.

Niedersachsens Grünen-Landeschefin Anne Kura hält die Stimmenverluste in den Grünen-Hochburgen bei der Landtagswahl am 15. Oktober 2017 nicht für ausschlaggebend. Sie widerspricht damit einer Studie der Uni Lüneburg, über die wir exklusiv berichtet hatten. Die Uni-Analyse hatte im Auftrag der Grünen festgestellt, dass die Partei in der Hälfte ihrer starken Wahlkreise überdurchschnittlich verloren hatte.

Osnabrück besser als der Schnitt

Kura rechnet da anders. Zwar seien die Verluste in absoluten Zahlen vor allem in den Uni-Städten höher. Doch angesichts eines durchschnittlichen Stimmenverlustes von 31,7 Prozent gegenüber 2013 schnitten insbesondere die beiden Osnabrücker Wahlkreise mit 21 und 21,7 Prozent relativ gut ab. Auch Göttingen oder Hannover-Mitte seien mit einem Verlust von einem Viertel der Stimmen besser gefahren als der Landesschnitt. „In den allermeisten Wahlkreisen der größeren Universitätsstädte liegen die Verluste deutlich unter dem landesweiten Schnitt“, betont Kura. Übersetzt heißt das: Die Hochburgen bleiben Hochburgen.

Ausnahmen gibt es aber auch: So liegen die beiden Oldenburger Wahlkreise bei mehr als 30 Prozent Verlust, in Braunschweig-Süd betrug das Minus fast 40 Prozent. Allerdings holt die Partei damit immer mehr Prozente als beispielsweise in Vechta, dem Wahlkreis mit dem kleinsten Minus: Dort betrug der Verlust zwar nur 16,3 Prozent, doch das reichte in der Grünen-Diaspora gerade mal für 5,5 Prozent.

Kaum soziale Kompetenz

Herbe Verluste gab es in Arbeiterstädten mit großen Problemen: In Delmenhorst, Wilhelmshaven und Wolfenbüttel lag das Minus bei über 40 Prozent, in Salzgitter verloren die Grünen mehr als die Hälfte ihrer Wähler und landeten bei 4,5 Prozent. Das verwundert wenig, denn eine Infratest-Befragung kurz vor der Wahl im Oktober 2017 bescheinigt den Grünen wenig soziale Kompetenz: Beim Thema Soziale Gerechtigkeit schrieben nur 5 Prozent der Partei Kompetenz zu, nur FDP und AfD schnitten schlechter ab. Bei der Schulpolitik (7 Prozent) lagen die Grünen sogar hinter der FDP, und beim Thema Kriminalitätsbekämpfung (2 Prozent) hinter allen anderen Parteien.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN