Niedersachsens Schweinehalter in Not Niedersächsische Ministerin für Fristverlängerung bei Ferkelkastration

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Jungeber dürfen ab 2019 nur noch mit Betäubung kastriert werden. Foto: dpaJungeber dürfen ab 2019 nur noch mit Betäubung kastriert werden. Foto: dpa

Hannover . Zum Jahresende soll die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel in Deutschland enden. Weil Alternativen fehlen, will Agrarministerin Barbara Otte-Kinast die Frist bis 2020 verlängern. Nun liegt der Ball bei Ministerpräsident Weil.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) macht sich für eine Fristverlängerung bei der betäubungslosen Kastration von Ferkeln stark. Die sollte eigentlich am Jahresende Geschichte sein. Doch „wegen der zu erwartenden Strukturbrüche sollte die Inkraftsetzung des Verbotes der betäubungslosen Kastration verschoben werden“, sagte eine Ministeriumssprecherin unserer Redaktion. Otte-Kinast wirbt dafür, einen entsprechenden Bundesratsvorstoß Bayerns zu unterstützen.

Fleisch der „Stinker“ schwer verkäuflich

Da Eber in der Mast schwierige Tiere sind und das Fleisch einiger „Stinker“ durch den penetranten Ebergeruch kaum vermarktbar ist, werden Jungtiere oft kastriert. Seit Jahren ist bereits klar, dass diese Praxis zum Jahresende 2018 verboten wird. Doch getan hat sich in den vergangenen Jahren wenig – die Alternativen sind aus Sicht des Ministeriums noch immer nicht ausreichend erforscht. So wachen bei einer Vollnarkosevariante etwa fünf Prozent der Ferkel nicht mehr auf, bei einer anderen Form wirkt das Mittel bei 30 Prozent der Tiere.

Am vierten Weg wird noch geforscht

Otte-Kinast spricht sich für den „skandinavischen“ oder „vierten“ Weg aus, bei dem die Kastration unter lokaler Anästhesie vorgenommen wird. Doch auch dort gibt es noch offene Gesetzesänderungen, Fragezeichen und laufende Studien. So läuft derzeit ein Pilotprojekt der Uni München und des Schweinegesundheitsdienstes Niedersachsen, in der mögliche Kastrationsmittel geprüft werden. In einem nächsten Schritt sollen Landwirte unter Beteiligung der Landwirtschaftskammer die Lokalbetäubung in Eigenregie erproben. Bislang ist hierzulande – anders als beispielsweise in Dänemark – nur Tierärzten der Eingriff erlaubt.

Weil ist am Zug

Voraussichtlich am 14. August soll das Landeskabinett ihre Haltung im Bundesrat besprechen. Otte-Kinast setzt dabei darauf, dass SPD-Ministerpräsident Stephan Weil den Vorstoß unterstützt: „Ich hoffe sehr, dass wir dieses Thema zusammen nach vorne bringen können. Der Ministerpräsident ist viel im Land unterwegs und kennt die drängenden Probleme aus Gesprächen auf den Höfen. Ein Votum Niedersachsens hätte eine bundesweite Signalwirkung“, sagte Otte-Kinast mit Blick auf andere SPD-regierte Bundesländer.

Kommt es in den nächsten fünf Monaten zu keiner Einigung, fürchtet die Ministerin einen Strukturbruch für den Schweinestandort Niedersachsen. Bereits in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Sauenhalter im Land nach Ministeriumsangaben um 8424 auf derzeit noch 1900 Betriebe abgestürzt. Die Zahl der Zuchtsauen ist um etwa ein Viertel oder 152 502 Tiere gesunken. „Es ist unser klares Ziel, dass es weiterhin Ferkel aus Niedersachsen gibt. Die Sauenhalter brauchen endlich Planungssicherheit“, sagte Otte-Kinast unserer Redaktion.


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