Expertin gibt Tipps 20-jährige Emsländerin bildet Wild- zum Reitpferd aus

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Lengerich. Ein Wildpferd wird in wenigen Wochen zum Reitpferd: Maja Hegge aus dem emsländischen Lengerich wird für ihren Umgang mit Tieren bewundert. Was ist ihr Geheimnis?

Nur wenige Zentimeter Platz sind zwischen Hufen und Füßen, wenn Maja Hegge mit ihrem Pony Quandro über den Platz tobt und plötzlich die Richtung und das Tempo wechselt. Quandro steigt vor ihr, wenn sie die Arme hebt, legt sich flach auf den Boden, wenn sie vor seine Hufe tippt. Er vertraut ihr sogar, als sie eine Plane über seinen Hals und Rücken legt. Obwohl es in seiner Natur liegt, die Flucht zu ergreifen, bewegt er nur seine Ohren.

Für ihre Arbeit mit Pferden wird die 20-Jährige aus Lengerich bewundert. Regelmäßig veröffentlicht Hegge Videos mit neuen Kunststücken im Internet. Mittlerweile folgen ihr 90 000 Menschen auf Facebook. Angefangen hat alles im Jahr 2011 mit ihrem Shetlandpony Gijs: „Nach einem Reitunfall im Sommer hatte ich ein halbes Jahr Reitverbot und habe die Zeit genutzt, um Gijs Zirkuslektionen beizubringen“, sagt Hegge. 

Foto: David Ebener

Bald stieg das Pony auf Baumstämme und folgte ihr ohne Strick. Die Internet-Videos kamen gut an und wurden häufig geteilt. Hegge erhielt immer mehr positive Reaktionen, auch Veranstalter von Turnieren und Pferde-Shows wurden auf sie aufmerksam. Mittlerweile sind Gijs und Quandro Auftritte vor Publikum gewohnt. Aufgeregt seien die Tiere dabei nicht, sagt ihre Trainerin: „Sie nehmen sich sogar etwas mehr heraus, da sie inzwischen genau wissen, dass wir eine Übung nicht mehrfach wiederholen, auch wenn nicht alles nach Plan läuft.“ 

Ihren größten Auftritt hatte Maja Hegge allerdings nicht mit ihren eigenen Pferden, sondern mit der Mustang-Stute Taipa. Im vergangenen Jahr nahm die Nachwuchs-Trainerin am ersten deutschen „Mustang Makeover“ teil, bei dem 15 Pferdetrainer je ein Wildpferd aus den USA bekamen, um die Tiere in drei Monaten zu Reitpferden auszubilden. „Es war ein interessanter Test, ob sich das, was sich mit meinen Pferden eingespielt hat, auch auf andere übertragen lässt – und das in kurzer Zeit“, beschreibt Hegge die Herausforderung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie nie ein fremdes Pferd trainiert.

Taipa ließ sich zunächst nicht einmal anfassen. Es brauche viel Zeit, bis ein Grundvertrauen geschaffen sei, sagt Hegge. „Ich bleibe manchmal im Stall, wenn die Pferde fressen. Damit sie sehen, dass ich nicht nur da bin, wenn ich etwas von ihnen will. Ich muss Teil ihres Alltags sein“, erklärt die 20-Jährige.

Im Training komme es darauf an, verlässlich zu sein: „Bei seinem Weg bleiben, nicht einen Tag so und den anderen Tag so“, empfiehlt die Pferdetrainerin. Außerdem brauche das Tier Feedback. Das bedeutet, unerwünschtes Verhalten zu korrigieren und erwünschtes Verhalten zu loben. Dafür müsse der Halter das Pferd genau beobachten, um Fortschritte auch zu erkennen. „Ich erlebe es oft, dass sich jemand zu viel auf einmal wünscht. Es ist wichtig, das Pferd zu loben, auch wenn es nur zwei Schritte auf dich zugeht“, betont Hegge.

Foto: David Ebener

Während des Trainings nutzt sie ihre Stimme und ihre Körperhaltung. Die Gerte in ihrer Hand berührt die Tiere kaum. Die Trainerin tippt damit auf die linke oder rechte Seite des Rückens und kündigt damit einen entsprechenden Richtungswechsel an. Hegge nutzt die Natur des Tieres, wenn es ihr in jeder Wendung folgt und sie nicht aus den Augen lässt. Sie übernimmt die Rolle des Leitpferdes, dem sich das Tier auf der Suche nach Sicherheit anschließt.

Mit ihrer Arbeit überzeugte die Lengericherin beim „Mustang Makeover“: Sie und Taipa erreichten 2017 in der Gesamtwertung bei der Präsentation der Tiere in Aachen die meisten Punkte. Damit lag Maja Hegge noch vor Trainern wie Bernd Hackl und Sandra Schneider, die als „Pferdeprofis“ aus der gleichnamigen Fernsehsendung bekannt sind.

Auch in diesem Jahr trainiert sie wieder einen Mustang für den zweiten Wettbewerb dieser Art in Deutschland. Fünf Wochen, nachdem das Wildpferd bei der 20-Jährigen ankam, veröffentlichte sie das erste Bild, bei dem sie im Sattel sitzt. In wenigen Tagen, am ersten Wochenende im August, steht sie wieder in der Arena.

Für die zahlreichen Anfragen, die sie mittlerweile täglich erreichen, hat sie kaum noch Zeit. Doch in den nächsten Wochen will sie ihre Leidenschaft endlich zum Beruf machen – und ihre Erfahrungen auch in Kursen weitergeben.


Tipps von der Expertin für den Umgang mit Pferden:

  • Verlässlich sein: Klare Anweisungen geben, die nicht von Tag zu Tag unterschiedlich sind  
  • Feedback geben: unerwünschtes Verhalten schwer machen, erwünschtes Verhalten loben. „Jeden Schritt, den das Pferd nicht vorwärts gehen soll, geht es auch wieder zurück“, sagt Maja Hegge  
  • Auch kleine Schritte anerkennen: Es sei wichtig, das Pferd zu loben, auch wenn es dem Menschen nur zwei Schritte und nicht den ganzen Weg entgegenkommt

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