Statt Inklusion Kommunen wollen 51 Förderschulen erhalten

Von dpa

In Niedersachsen sollen nach dem Wunsch der Kommunen 51 Förderschulen für Schüler mit Lernschwierigkeiten vorerst bestehen bleiben. Foto: Caroline Seidel/dpaIn Niedersachsen sollen nach dem Wunsch der Kommunen 51 Förderschulen für Schüler mit Lernschwierigkeiten vorerst bestehen bleiben. Foto: Caroline Seidel/dpa

Hannover. In Niedersachsen sollen nach dem Wunsch der Kommunen 51 Förderschulen für Schüler mit Lernschwierigkeiten vorerst bestehen bleiben. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor.

Zuerst hatte die „Hannoversche Allgemeine Zeitung" darüber berichtet. Zum neuen Schuljahr dürfen an den betreffenden Schulen wieder Kinder in die fünfte Klasse eingeschult werden. Die Grünen-Bildungsexpertin Julia Willie Hamburg und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierten, dass das Land vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels weiter an den aufwendigen Parallelstrukturen von inklusiven Schulen und Förderschulen festhält.

Nach den Plänen der früheren rot-grünen Landesregierung sollten die Förderschulen für Schüler mit Lernproblemen eigentlich auslaufen. Seit 2016 wurden daher bereits keine Schüler mehr für die fünfte Klasse aufgenommen. Stattdessen sollten die Jungen und Mädchen mit Förderbedarf inklusiv arbeitende Regelschulen besuchen. 

Umsetzung des Koalitionsvertrags

Nach der Landtagswahl vereinbarten SPD und CDU jedoch in ihrem Koalitionsvertrag, die Existenz von Förderschulen zu verlängern. So sollte für die Umsetzung der Inklusion mehr Zeit gewonnen werden. Nach dem neuen Schulgesetz können die Kommunen als Schulträger beantragen, dass ihre Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen in der Sekundarstufe noch bis zum Beginn des Schuljahres 2022/23 Schüler der fünften Klasse aufnehmen dürfen.

Von dieser Möglichkeit machten laut Kultusministerium bis zum Stichtag am 30. April insgesamt 57 Kommunen Gebrauch, sechs weitere Schulträger beantragten nach dem Stichtag den Fortbestand ihrer Förderschule. Bislang konnten 51 Schulträger belegen, dass sie auf die erforderliche Mindestzahl von 13 Schülern pro Jahrgang kommen. Dies macht das Gesetz zur Bedingung.

Weitaus weniger gefragt ist dagegen eine zweite Variante, die das Land den Kommunen eröffnet hat: die Einrichtung von Lerngruppen für lernschwache Kinder an Regelschulen. Nur der Landkreis Hameln-Pyrmont und die Stadt Hildesheim haben bislang entsprechende Anträge gestellt.

Hamburg von den Grünen befürchtet nun, dass die inklusiv arbeitenden Schulen noch länger auf das Fachpersonal warten müssen, weil die Parallelstrukturen weiter bestehen. Damit fehle diesen Schulen die Entwicklungsperspektive, sagte sie der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Auch die GEW sieht die Entwicklung negativ. „Es ist besser, sich ganz für die inklusive Schule zu entscheiden, weil man dann den Eltern und Kindern die Sicherheit gibt, wie Inklusion weitergehen kann. Alles andere ist nur ein Aufschieben", sagte der niedersächsische GEW-Geschäftsführer Rüdiger Heitefaut der Deutschen Presse-Agentur.


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