Wirtschaftsfaktor in Niedersachsen Wie deutsche Pferde für Millionenumsätze und Arbeitsplätze sorgen

Meine Nachrichten

Um das Thema Niedersachsen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Reitevent „Horses&Dreams“ im Osnabrücker Land hat sich zu einer weltweit bekannten Marke entwickelt. Deutscher Reitsport und die hiesige Pferdezucht sind weltweit gefragt. Foto: David EbenerDas Reitevent „Horses&Dreams“ im Osnabrücker Land hat sich zu einer weltweit bekannten Marke entwickelt. Deutscher Reitsport und die hiesige Pferdezucht sind weltweit gefragt. Foto: David Ebener

Osnabrück. Deutsche Pferde sind weltweit gefragt und sichern hierzulande viele Arbeitsplätze. Besonders in Niedersachsen wird der Wirtschaftsfaktor Pferd großgeschrieben.

Bei der jüngsten Elite-Auktion des Hannoveraner-Verbandes im niedersächsischen Verden erzielte ein Springpferd mit dem Namen „Luftwaffe“ 240.000 Euro. Der Käufer: ein wohlhabender Engländer. Und auch sonst ging knapp die Hälfte der versteigerten 76 Reitpferde aus dem Bestand des weltweit größten Zuchtverbands ins Ausland: Kunden aus zehn europäischen Ländern sowie den USA und den Vereinigten Arabischen Emirate erwarben die hochkarätigen Rösser.

Großteil der Zuchtpferde geht ins Ausland

Deutsche Pferde sind international gefragt, der Großteil der Züchtungen verlässt das Land. Einem Ausfuhrwert von reinrassigen Zuchtpferden in Höhe von 29,4 Millionen Euro stand 2015 ein Einfuhrwert von 15,1 Millionen Euro gegenüber. Unternehmer Paul Schockemöhle, der zusätzlich zum Firmenimperium im Landkreis Vechta noch 30 Kilometer südlich von Schwerin ein großes Gestüt besitzt, verkauft sogar 90 Prozent seiner dort gezüchteten Pferde ins Ausland. Dabei wird über Auktionen und Höfe nur ein Bruchteil der Sportpferde verkauft. Die meisten Verkäufe finden übers Internet statt. Ehorses auf Gestüt Osthoff ist der führende Onlinemarkt in Europa.

Foto: NOZ MEDIEN

Vorreiterrolle Niedersachsens in der Pferdezucht

In der deutschen Pferdezucht und -haltung nimmt Niedersachsen eine Vorreiterrolle ein. Von den 32 erfolgreichsten Züchtern deutscher Turnierpferde und -ponys, die mit Züchterprämien ausgezeichnet wurden, kamen in den vergangenen Jahren fast die Hälfte aus Niedersachsen. Allein zehn der 34 in Deutschland anerkannten Pferdezüchtervereinigungen sind in dem Bundesland ansässig. Der Wirtschaftsfaktor Pferd hat in dem Bundesland einen besonders hohen Stellenwert, schließlich weist es mit 213.880 bei der Niedersächsische Tierseuchenkasse gemeldeten Pferden den größten Bestand auf, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern. Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur 22.000 Pferde.

Pferde schaffen Arbeitsplätze

Drei bis vier Pferde schaffen einen Arbeitsplatz, sagt Enno Hempel, Geschäftsführer der Pferdeland Niedersachsen GmbH, dem Bündnis niedersächsischer Zucht- und Pferdesportverbände. 300.000 Menschen in Deutschland verdienen ihren Lebensunterhalt mit diesen Tieren. In Niedersachsen sind es rund 50.000 bis 70.000 Arbeitsplätze. „Jedes Pferd, das in einem Reitstall steht und dort professionell betreut wird, hat eine Wertschöpfung von rund 10.000 Euro im Jahr“, sagt Theo Leuchten, Vize-Präsident Bereich Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Auf 6,7 Milliarden Euro beläuft sich der Umsatz, der jährlich in der Pferdewirtschaft erzielt werde.

Turniere als Weltmarken

Trainer und Züchter profitieren genauso wie Tiermediziner, Pfleger, Versicherer und Ausrüster von der wachsenden Beliebtheit des Reitsports.

Große Turniere in Norddeutschland sorgen für hohe Umsätze und ziehen auch über die Landesgrenzen Aufmerksamkeit auf sich. Pferdeunternehmer Ulrich Kasselmann hat Horses & Dreams zu einer Weltmarke entwickelt. Mit 70.000 Besuchern und 750 Teilnehmern aus 35 Nationen ist das Turnier in Hagen a.T.W. ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Osnabrücker Landes geworden. Das Volltanken der rund 340 Pferdetransporter bei der Abreise beschert Tankstellen in der Region Rekordumsätze. Die Bad Harzburger Galopprennwoche lockt rund 35000 Besucher an, zu den Pferde-Poloturnieren am Strand von Warnemünde und an der Selliner Seebrücke kommen Zehntausende Fachleute und Laien, das Turnier Future Champions ebenfalls in Hagen ist zum internationalen Nachwuchswettbewerb geworden.

Bedarf an medizinischer Betreuung

Mit der hohen Zahl an Turnieren steigt auch der Bedarf an medizinischer Betreuung für Sportpferde, davon profitieren Therapeuten und Tierärzte. Für Tierärzte seien Auftragsuntersuchungen vor dem Verkauf eines teuren Pferdes zu einem wachsenden Betätigungsfeld geworden, sagt Philipp Lingens von der Pferdeklinik Ankum.

Im Freizeitbereich hat die Pferdewirtschaft mit Problemen zu kämpfen. Seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Reitanfänger. „Das ist nicht anders als in anderen Sportverbänden“, sagt Leuchten von der FN. Das Freizeitverhalten der Jugendlichen verändere sich. Auch die massiv finanziellen Belastungen steigen. Für Tierarzt, Futter, Hufschmied, Ausrüstung und Training müssen Freizeitreiter heute zwischen 600 und 800 Euro im Monat einplanen.Allein die Stallmiete kann 350 Euro kosten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN