Dürre, Dünger und Küken Otte-Kinast geht bei Sommertour auf Sorgen von Bauern ein

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Bensersiel/Rhauderfehn. Vom Biohof zur Biogasanlage, vom Fischteich zur Ostfrieseninsel: Auf ihrer ersten Sommerreise hat Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast an drei Tagen viele Themen ihres Ressorts angeschnitten. Ständiger Begleiter: die Frage, wie es mit der Landwirtschaft weitergeht.

Hilmar Schulte ist sauer. „Wir müssen klarstellen, dass wir nicht für alles verantwortlich sind“, sagt der Milchbauer aus Rhauderfehn. Es geht gerade mal wieder um die Düngereinträge der Landwirtschaft. Schulte darf nun nicht mehr so viel Gülle auf den Weiden ausbringen, wie er für das Graswachstum für richtig hält. Und der Landkreis fordert teure Modernisierungen, wenn Saft von der Siloplatte ins Erdreich sickert.

Barbara Otte-Kinast hört zu. Niedersachsens Agrarministerin ist an diesem Freitag auf dem dritten und letzten Tag ihrer Sommerreise durch den dürregeplagten Nordwesten. Und überall, wo sie hinkommt, haben die Menschen Sorgen und Anliegen an die Politik. Und Probleme gibt es selbst da, wo die ländliche Idylle so perfekt scheint wie im Hochglanzmagazin: wie auf dem Ferienhof der Saathoffs in Krummhörn, der seit Jahren als Vorzeigebetrieb für Urlaub auf den Bauernhof gilt. Diane Saathoff führt schwärmend durch den malerischen Garten des denkmalgeschützten Hofes, in dem Feriengäste gerade am langen Tisch tafeln. Als es in den Kuhstall geht, ändert sich die Tonlage. „Wir hatten zwei Milchkrisen. Eine dritte machen wir nicht mehr mit“, sagt Saathoff. Die Kühe sollen weg, der Urlaub auf dem Bauernhof bleiben.

Keine reine Gute-Laune-Tour

Die erste Sommerreise von Otte-Kinast als Landwirtschaftsministerin ist keine reine Gute-Laune-Tour. Doch das soll sie auch nicht sein, betont die CDU-Politikerin. „Wir wollen nicht nur schöne Bilder liefern, sondern bewusst über Probleme reden“, sagt sie. Auf Langeoog klagt Rinderhalter Heiko Arends, dass Gänse und Dürre kein Gras mehr für seine zottigen Highland-Rinder übrig lassen. Bei den Ahlhorner Teichen warnt Kaus Jänich von den Landesforsten, dass die intensive Landwirtschaft den Fischbetrieb und das Biotop nahe Cloppenburg bedroht. Und ein Biogasbetreiber klagt, dass er wohl bald keine Zuckerrüben mehr in seine Anlage füllen darf.

Otte-Kinast ist neugierig, hört zu, hakt nach. Meist reicht der enge Zeitplan nicht, um vor Ort alle ihre Fragen zu beantworten. Dann fordert sie mehr Informationen an, verspricht, sich zu informieren, zu kümmern oder mit ihren Ministerkollegen in Hannover zu sprechen. Manchmal stellt sie Hilfe in Aussicht. Manchmal sagt sie, dass es schwer wird. Zum Beispiel, als Hilmar Schulte fordert, wieder mehr Gülle auf die Wiesen ausbringen zu dürfen. Das sei angesichts der Nitratklage Brüssels gegen Deutschland politisch kaum durchzusetzen, erklärt Otte-Kinast.

Otte-Kinast kommt gut an

Mag die Politik-Quereinsteigerin in Hannover auch einen holprigen Start gehabt haben, vor Ort kommt die frühere Landfrauenvorsitzende Niedersachsens gut an. Nicht nur, wenn sie in Bensersiel den von der Langeoog-Fähre strömenden Urlaubern nachmittags spontan Äpfel aus Niedersachsen in die Hand drückt. „Sie kommt vom Fach“, sagt ein Landwirt anerkennend, die Kinasts haben zu Hause einen eigenen Betrieb. Daher müsse man ihr nicht alles von Anfang an erklären.

Otte-Kinast setzt angesichts der zunehmenden Entfremdung von Landwirten und Konsumenten vor allem auf Dialog. Man müsse ehrlich sein, sagt sie bei dem Besuch auf dem Biohof von Ralph Wildung bei Bomlitz in der Lüneburger Heide. Wildung hat 6000 Hühner, deren Eier für 42 Cent in Biomärkten verkauft werden. Vor allem aber hat er gerade etwa 500 Bruderhähnchen. Die männlichen Tiere wachsen langsam und legen keine Eier, weshalb die Küken oft im Schredder landen. Wildung verkauft das Bruderhähnchenfleisch Kunden, die sich bewusst dafür entscheiden. Otte-Kinast ist begeistert: „So etwas muss bekannter werden“, sagt sie. Die Ministerin ist überzeugt: Wenn die Verbraucher wissen, wie ihr Essen entsteht, werde auch das Verständnis für die Landwirte wachsen. Ebenso wie die Bereitschaft, mehr für Milch, Eier und Bruderhähnchenfleisch zu bezahlen.


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