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Welche Branchen Probleme haben Kurz vor neuem Ausbildungsjahr sind noch viele Stellen unbesetzt

Von dpa

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Kurz vor Beginn des Ausbilungsjahres sind noch viele Stellen frei. Symbolfoto: dpaKurz vor Beginn des Ausbilungsjahres sind noch viele Stellen frei. Symbolfoto: dpa

Hannover. Gegen den Mangel an Auszubildenden beschreiten immer mehr Betriebe in Niedersachsen neue Wege. Doch die Lücken klaffen weiter. Welche Branchen besonders viele Probleme haben und wo in Niedersachsen es besonders viele offene Stellen gibt.

Der Fachkräftemangel in Niedersachsen nimmt stetig zu und droht, das Wirtschaftswachstum auszubremsen. Das gilt auch für den Ausbildungsmarkt, wo viele Betriebe Lehrstellen nur schwer oder gar nicht besetzen können. Viele Ausbildungsberufe sind noch unbekannt, andere gelten dagegen als wenig attraktiv. Zudem sinkt das Angebot an Bewerbern, zeitgleich steigt die Zahl der Ausbildungsplätze leicht. Stand Ende Juni gab es mit 52.346 gemeldeten Bewerbern 4,3 Prozent weniger Interessenten für eine Ausbildungsstelle als vor einem Jahr. Ihnen standen mit 52.271 Stellen 1,6 Prozent mehr gegenüber als noch 2017.

Welche Branchen und Berufe sind besonders betroffen?

In Niedersachsen blieben im Vorjahr laut Arbeitsagentur 3068 Ausbildungsplätze unbesetzt. Diesmal könnte es ähnlich werden. Laut den Juni-Zahlen, neuere Angaben gibt es erst Ende Juli, gab es etwa bei der Gastronomie von 1504 gemeldeten Stellen noch 891 offene Plätze. Im Lebensmittelverkauf blieben 921 von 1339 gemeldeten Stellen unbesetzt. Ob Friseur-Handwerk (506 von 881 Stellen unbesetzt), die Koch-(662/1187) oder die Fernfahrer-Ausbildung (485/775), die Hotellerie (525/956) oder der Hochbau (711/1076): Sie alle leiden unter mangelndem Interesse. Das gilt auch für die Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik: 305 (724). Da der Endspurt läuft, dürften die Zahlen der offenen Stellen inzwischen allerdings deutlich gesunken sein.

Wie verändert die Digitalisierung die Ausbildungsberufe?

Vom industriellen 3D-Druck bis zum vernetzten Produktionsprozess: Fast alle beruflichen Bereiche werden erfasst vom digitalen Wandel. Entsprechend werden Ausbildungsprofile in den industriellen Metall- und Elektroberufen, aber auch den kaufmännischen oder chemischen Arbeitsbereichen zum 1. August durch Themen wie Datenschutz, Informationssicherheit oder vernetzte Produktion angepasst.

Gibt es auch völlig neue Berufe?

Ja. Die Zukunft des Handels ist digital – deshalb beginnt am 1. August die neue Ausbildung für den auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichteten Kaufmann im E-Commerce. Er zielt vor allem auf das rasante Wachstum des Online-Handels und soll Experten für diesen Bereich ausbilden. Sie sollen etwa kundenorientierte Vertriebs- und Marketing-Strategien entwickeln. Der Tui-Konzern will sie im Reisesektor einsetzen und bildet dafür sowohl in Hannover wie in Berlin aus. Obwohl der Ausbildungsberuf neu ist, waren die offenen Stellen nach Konzernangaben in Hannover "sehr schnell vergeben".

Wie können Schulabgänger von der starken Nachfrage profitieren?

In den vergangenen Jahren haben sich viele Schulabgänger für ein Studium statt eine betriebliche Ausbildung entschieden. Dabei ist auch die Fachkraftausbildung weiter attraktiv und bietet gute Verdienstmöglichkeiten. Zudem gibt es zunehmend Angebote für duale Ausbildungsgänge – Studium inklusive. Die rot-schwarze Landesregierung versucht außerdem, die finanziellen Anreize für die betriebliche Weiterbildung zu stärken – etwa durch die Meisterprämie.

Was können Arbeitgeber tun?

Patentrezept, um für Auszubildende attraktiv zu sein, gibt es nicht. Das Einstiegsgehalt ist nicht immer ausschlaggebend. Im Werben um qualifizierte Jugendliche für die Ausbildung setzen Unternehmen auch verstärkt darauf, ihre Qualität als Ausbildungsbetrieb deutlich zu machen. Die IHK Hannover etwa vergibt Ausbildungssiegel, die eine besonders hohe Ausbildungsqualität von Unternehmen dokumentieren.

Welche Regionen in Niedersachsen sind besonders betroffen?

Die niedrigsten Arbeitslosenquoten finden sich in Niedersachsen in den westlichen Landkreisen sowie im Speckgürtel der Ballungszentren Hannover, Bremen und Hamburg. Ähnliches gilt für den Ausbildungsmarkt. Vor allem im südwestlichen Niedersachsen heißt es laut Arbeitsagentur: viele offene Stellen, wenig Bewerber.


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