Vom Wasser überrascht Lübbecker rettet Familie mit Notruf vor Ertrinken im Watt bei Butjadingen

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Die Seenotretter konnten den Vater und dessen beide Söhne in letzter Minute aus dem Watt retten. Symbolfoto: dpaDie Seenotretter konnten den Vater und dessen beide Söhne in letzter Minute aus dem Watt retten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Ein Vater und seine beiden Söhne sind am Freitagabend bei einem Spaziergang im Watt bei Butjadingen von der Flut überrascht worden. Ein 24-Jähriger aus Lübbecke (Ostwestfalen-Lippe) setzte den lebensrettenden Notruf ab – und versteht nicht, warum man sich bei ihm für etwas bedankt, was aus seiner Sicht gar nicht heldenhaft ist.

„Ich habe doch nur drei Ziffern gewählt, bin stehen geblieben und habe gehofft", sagt Nico Nowak drei Tage nach dem Ereignis im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Feuerwehr und die Seenotretter haben viel mehr getan." Dennoch habe sich einer der Retter bei ihm dafür bedankt, dass er den Notruf wählte. Auch Freunde und Bekannte hätten sich gemeldet und Journalisten ihn angerufen. „Ich verstehe gar nicht, warum die mit mir sprechen wollen", sagt der 24-Jährige.

Am Meer spazieren gegangen

Dennoch erzählt Nowak, der als Softwareentwickler für eine App arbeitet, die zwei Meller ins Leben gerufen haben, was am Freitag im niedersächsischen Fedderwardersiel in der Gemeinde Butjadingen passiert ist. Der 24-Jährige fahre sei 20 Jahren ins Nordseebad Burhave, das zur Gemeinde Butjadingen gehört. Vergangenes Wochenende sei er dort gewesen, um Freunde zu besuchen. Mit denen sei er Freitagabend am Meer spazieren gegangen.  

„Dann dachte ich, ich rufe lieber den Notruf an." Nico Nowak

Es sei bereits dunkel gewesen, als sie irgendwann Geräusche aus dem Watt gehört hätten. „Da spielen häufig Kinder im Watt, ich früher auch. Deshalb sind wir erstmal weitergegangen", sagt Nowak. Als sie dann Hilfeschreie gehört hätten, hätten sie zuerst „blöd geguckt". In der Dunkelheit habe man nichts sehen können. Außerdem hätten der Vater und seine beiden Söhne dunkle Kleidung getragen, habe ihm einer der Retter hinterher erzählt. Als Nowak und seine Freunde erneut Hilferufe gehört hätten, habe er kurz nachgedacht. „Dann dachte ich, ich rufe lieber den Notruf an." 

Seenotretter schickten Helikopter

Weil sie auf einem Weg unterwegs gewesen seien, der direkt am Wasser verlief und keinen Namen hat, hätten sie ihre Koordinaten bei Google Maps herausgesucht und diese durchgegeben. Die Feuerwehr machte sich auf den Weg, die Seenotretter schickten ein Boot und einen Helikopter zu der Stelle. Nowak und seinen Freunden sei nichts anderes übrig geblieben als zu warten. Die in Not geratene Familie sei etwa 250 Meter vom Ufer entfernt gewesen, schätzt der Lübbecker.

„Man konnte ja nicht wirklich was machen. Rauslaufen aufs Watt wäre eine dumme Idee gewesen."Nico Nowak

Weitere Passanten hätten gefragt, ob schon jemand den Notruf gewählt habe, und Anwohner und Spaziergänger seien von dem Großaufgebot der Rettungskräfte angezogen worden. Doch niemand habe sich in den Weg gestellt oder den Einsatz blockiert, der glücklicherweise gut ausging. Das Wasser stand dem 39-jährigen Touristen aus Bad Gandersheim und seinen beiden neun und 15 Jahre alten Söhnen bereits bis zum Hals, als die Seenotretter sie entdeckten. Der Mann hielt die Kinder in der Strömung stehend auf den Armen. Der Hubschrauber war bereits vor Ort, konnte aber im überspülten Watt nicht landen.

Dramatische Minuten

Um die Drei aus ihrer Notlage zu befreien, mussten sich die Seenotretter mit ihrem Boot „Hermann Onken" zunächst vorsichtig an sie heranmanövrieren. Erst dann konnten sie sie durch die Bergepforte an Bord des Schiffs ziehen. Es waren dramatische Minuten. „Im Flutstrom hätte der Mann sich keine fünf Minuten länger halten können", erklärten die Seenotretter. Das Trio wurde mit einer Unterkühlung und einem Schock ins Krankenhaus gebracht.

„Das ist schon beängstigend, wenn der Hubschrauber einen halben Meter über dem Wasser schwebt und ein Motorboot auf dich zugerast kommt. Da ist es auch kein Wunder, dass die Kinder panisch geschrien haben. Ich glaube, die wussten gar nicht so richtig, was dort passiert", sagte Seenotretter Hartmut Dierks.

Mann droht keine Strafe

Eine Strafe droht dem Mann nicht, wie Seenotretter und Polizei in Nordenham bestätigten. Es könnte aber sein, dass der Tourist die Kosten des Rettungseinsatzes zahlen müsse, hieß es von der Polizei. Die DGzRS stellte klar, dass die Rettung aus Lebensgefahr durch die Seenotretter immer kostenlos sei. „Die Geretteten des Einsatzes im Watt bei Butjadingen müssen für diesen Einsatz nichts bezahlen", hieß es. (Mit dpa)


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