Neue Abordnungswelle droht 178 Lehrerstellen in Niedersachsen noch unbesetzt

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Minister Grant Hendrik Tonne muss liefern. Foto: David EbenerMinister Grant Hendrik Tonne muss liefern. Foto: David Ebener

Hannover. Die Wut über massenhafte Abordnungen von Lehrern an andere Schulen hat Kultusministerin Frauke Heiligenstadt 2017 schwer in Bedrängnis gebracht. Droht ihrem Nachfolger nun das Gleiche?

Niedersachsens Kultusministerium versucht weiter, mit Neueinstellungen von Lehrern die Unterrichtsversorgung zu steigern. „Nach derzeitigem Stand sind 1822 der 2000 ausgeschriebenen Stellen besetzt“, sagte eine Sprecherin von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) unserer Redaktion. Das ist zwar eine Verbesserung gegenüber der Vorwoche, 178 Stellen sind demnach aber noch unbesetzt. Es zeichnet sich ab, dass es auch zu Schuljahresbeginn im August massive Abordnungen von Lehrern an andere Schulen geben wird. Ende Juni hatte das Ministerium auf Anfrage der FDP von Abordnungen im Umfang von 23310 Stunden gesprochen. Damit wären Zahlen wie zu Beginn dieses Schulhalbjahres zu erwarten.

Zahlen sind vorläufig

Die Ministeriumssprecherin betonte, dass dies vorläufige Zahlen seien. Da noch bis 6. August eingestellt werde, könne sich noch deutlich viel verändern. „Grundsätzlich gilt: Je mehr Stellen im noch laufenden Einstellungsverfahren erfolgreich besetzt werden können, desto weniger Abordnungsmaßnahmen werden letztlich notwendig sein“, sagte sie.

Karawane zieht weiter

Die Opposition warf Tonne Scheitern vor. „Die Schulen werden erleben, dass sich auch unter dem neuen Kultusminister nichts verändert hat“, prognostizierte der FDP-Schulexperte Björn Försterling. Selbst wenn alle 2000 Stellen besetzt würden, käme Tonne nur auf ein ähnliches Abordnungsniveau wie dessen Vorgängerin Frauke Heiligenstadt. Die „Lehrerkarawane“ ziehe weiter durchs Land, nur auf anderen Routen: Durch die Verlagerung der frühkindlichen Sprachförderung in die Kitas werde die Abordnung von Gymnasien an Grundschulen wohl zurückgehen. Dafür sinke die Unterrichtsversorgung vor allem an Haupt-, Real- und Oberschulen.

Philologenverband: Offenbarungseid

Scharfe Kritik kommt von der Lehrerlobby: Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnte vor einem „Dominospiel“ durch chaotische Abordnungen. Insbesondere im ländlichen Raum sei der Bildungsauftrag nicht mehr gesichert. Die Philologen sprachen vom „Offenbarungseid“ Tonnes. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) warnte vor einem Lehrerkarussell. „Die nichtgymnasialen Schulen wie Ober-, Real- und Hauptschulen müssen an Grundschulen Lehrkräfte abordnen. Deshalb müssen wiederum Gymnasiallehrkräfte an diese Schulen geschickt werden, um das dadurch entstandene Unterrichtsfehl zu beheben“, sagte VNL-Landeschef Torsten Neumann.

GEW zieht vor Gericht

Die Gewerkschaft GEW hält auch die Lage an den Grundschulen weiter für angespannt, wie auch an der Stüveschule in Osnabrück. Die Arbeitsbelastung sei bei „Oberkante Unterlippe“, sagte GEW-Landesgeschäftsführerin Heidemarie Schuldt unserer Redaktion. Die Gewerkschaft betreut auch Grundschullehrer, die vor Verwaltungsgerichten in Hannover, Braunschweig und Osnabrück gegen die ihrer Meinung nach zu hohe Belastung klagen. Im Herbst solle es erste Verhandlungstermine geben.


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