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Innenminister Pistorius stellt vor Niedersachsens Polizei mit Blaulichtjacke zum Streifendienst

Von Gunars Reichenbachs

Ein Polizeibeamter zeigt die neue Jacke mit Leuchtstreifen für die niedersächsische Polizei. Die schusssichere Weste soll künftig von den Polizisten auch über der Kleidung getragen werden können. Foto: Peter Steffen/dpaEin Polizeibeamter zeigt die neue Jacke mit Leuchtstreifen für die niedersächsische Polizei. Die schusssichere Weste soll künftig von den Polizisten auch über der Kleidung getragen werden können. Foto: Peter Steffen/dpa

Hannover. Für mehr Sicherheit bei Einsätzen im Dunkeln erhalten Polizisten jetzt Jacken mit einschaltbarem Blaulicht. Außerdem gibt es neue kugelsichere Überziehwesten. Wer es sportlicher mag, kann außerdem künftig mit Polizei-Basecap auf Streife gehen.

Ein Druck auf den Knopf vorne rechts – und die Jacke leuchtet. Ein weiterer Druck: Blinken. Dritte Stufe Blaulicht: Die Polizei-Uniform blitzt und blinkt mit LED-Streifen wie ein wild gewordener Christbaum. Dank Akku kann die Beleuchtung zehn Tage lang eingeschaltet bleiben. Kein Zweifel, Niedersachsens Streifenbeamte sind in Zukunft nicht (mehr) zu übersehen. Mit Überziehjacke, neuer kugelsicherer Schutzweste, Baseball-Caps und hochfunktionalen Poloshirts zieht spätestens ab Herbst Hightech bei der niedersächsischen Polizei ein.

Boris Pistorius (SPD, M), Minister für Inneres und Sport in Niedersachsen, präsentiert zusammen mit Polizeibeamten die neue Dienstkleidung für die niedersächsische Polizei. Die schusssichere Weste soll künftig von den Polizisten auch über der Kleidung getragen werden können. Foto: Peter Steffen/dpa

Innenminister Boris Pistorius (SPD) lobt die „offene und bürgernahe Wirkung“ der künftigen Ausrüstung, die erst in Göttingen und Hildesheim getestet wird. Ostfriesland beteiligt sich an dem Versuch mit der Erprobung der „coolen“ Caps, die statt der eckigen Mützen getragen werden dürfen. Zu bunt sollten die Beamten es nach dem Willen des Ministers aber nicht treiben: „Man kann die Caps auch, wie es junge Leute tun, verkehrt herum tragen, weil auch hinten Polizei draufsteht, das wird aber natürlich nicht passieren.“

Hell, freundlich und „keinesfalls martialisch“ findet Pistorius den Auftritt im neuen Outfit. „Die aktive Beleuchtung macht die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten im Streifendienst sicherer, wenn es dunkel ist“, betont der Innenminister, der sich vor dem Ankauf den Rat der Streifenbeamten auf vielen Workshops geholt hat. „Die Kreativität der eigenen Kollegen ist ein Schatz. Es gab eine intensive Beteiligung“, sagt Pistorius ohne sich den Seitenhieb auf den Amtsvorgänger Uwe Schünemann (CDU) zu verkneifen. Früher sei die Anschaffung von Ausrüstung „von oben“ angeordnet worden. Nun werde verhindert, dass vom Schreibtisch weg Kleidung oder Ausrüstung beschafft werde, die die Streifenbeamten später für unpraktisch oder untauglich befinden.

In der Überziehweste, die nicht mehr unter Hemd oder Bluse getragen werden muss und viel bequemer handhabbar sitzt, finden nicht nur die kugelsicheren Schutzplatten Platz, sondern auch Handschellen, Funkgeräte und Smartphones. Dazu passend: Die Poloshirts verlieren ihre Knöpfe, die Klettverschlüssen weichen. Knöpfe können bei Beschuss heftige Verletzungen beim Träger verursachen.

Die Kosten für die Ausstattung von rund 10000 Polizisten im Einsatz halten sich in Grenzen. Die Schutzweste liegt bei 200 Euro, die Überziehjacke bei 120 Euro und die Kappe bei 12 Euro. Endgültige Preise gibt’s nach der europaweiten Ausschreibung.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt die Anschaffungen. „Damit werden wichtige Forderungen der GdP erfüllt. Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen funktionelle Uniform-Teile, die den Alltagsanforderungen entsprechen und zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen“, sagt der GdP-Chef Dietmar Schilff. Damit sei Niedersachsen auf dem neuesten Stand.

Dass Polizisten am Beschaffungsprozess beteiligt worden sind, findet ebenfalls die Unterstützung der Gewerkschaft. „Bei den regelmäßigen Workshops können diejenigen, die die Ausstattung nutzen beziehungsweise die Kleidung tragen sollen, Ideen und Vorschläge einbringen“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff. „So werden genau die Bedürfnisse, die sich aus der Praxis heraus ergeben, berücksichtigt.“ (mit dpa)