In Niedersachsen ein Jahr früher ans Steuer? Landtag macht neuen Vorstoß für Fahren mit 16

Meine Nachrichten

Um das Thema Niedersachsen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der niedersächsische Landtag will bereits 16-Jährige unter Aufsicht ans Lenkrad lassen. Foto: dpaDer niedersächsische Landtag will bereits 16-Jährige unter Aufsicht ans Lenkrad lassen. Foto: dpa

Hannover. Das zuerst in Niedersachsen eingeführte begleitete Fahren mit 17 ist ein bundesweites Erfolgsmodell. Nun will der Landtag bereits 16-Jährige unter Aufsicht ans Lenkrad lassen.

An einem Septemberabend im Jahr 2013 geriet im Dissener Ortsteil Erpen ein Auto mit fünf jungen Insassen bei regennasser Straße auf die Gegenfahrbahn und krachte in einen Kleinlaster. Vier Männer kamen ums Leben, eine 16-Jährige wurde schwer verletzt. Der Fahrer war 18, hatte erst kurz seinen Führerschein.

Hövel: Mehr Erfahrung, mehr Sicherheit

Knapp fünf Jahre später steht Gerda Hövel am Rednerpult des Niedersächsischen Landtags in Hannover und erinnert an die Tragödie. Für die für Dissen zuständige CDU-Abgeordnete ist der Unfall auch ein Argument, jungen Menschen auch vor der Volljährigkeit Fahrpraxis zuzubilligen. Hövel wirbt dafür, das begleitete Fahren bereits ab dem 16. Lebenjahr zu erlauben. Damit hätten Fahranfänger ein Jahr mehr Zeit als bisher, Fahrpraxis zu sammeln. „Ein Mehr an Erfahrung bedeutete ein Mehr an Selbstbewusstsein und Sicherheit“, sagt sie.

Auch Minister dafür

Hövel ist damit nicht allein. Ein entsprechender Antrag von SPD und CDU fand am Freitag im Landtag Zustimmung aller fünf Fraktionen. Tatsächlich kämpft das Land schon länger um eine Ausweitung des begleiteten Fahrens: Sowohl der jetzige Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) als auch sein Vorgänger Olaf Lies (SPD) haben sich bereits dafür stark gemacht, die Altersgrenze zu senken.

Niedersachsen als Vorreiterland

„Niedersachsen war, ist und bleibt Vorreiterland“, sagt der SPD-Abgeordnete Stefan Klein. Er spielt damit auf das Jahr 2004 an, als der damalige FDP-Verkehrsminister Walter Hirche gegen Bedenken und politischen Widerstand das bundesweit erste Modellprojekt „bF17“ startete, welches inzwischen bundesweit Schule gemacht hat.

Beim begleiteten Fahren dürfen Fahranfänger auch vor dem 18. Geburtstag hinterm Steuer Praxiserfahrung sammeln, wenn eine erfahrene Begleitperson daneben sitzt. Die Idee: Zu Beginn des Alleinefahrens sind die jungen Autofahrer bereits routiniert. Angesichts eines bis zu fünfmal erhöhten Unfallrisikos bei Autofahrern zwischen 18 und 20 Jahren ein gutes Argument, findet auch der FDP-Abgeordnete Jörg Bode.

Die deutlich niedrigeren Unfallzahlen bei den Projektteilnehmern sprächen eine deutliche Sprache. Studien zufolge sinkt das Unfallrisiko nach den ersten 5000 Kilometern deutlich. „Es wäre Zeit, Gas zu geben“.

EU ist am Zug

Tatsächlich gibt es bei der ersten Beratung im Landtag am Freitag wenig Gegenwind: Die Grünen haben Bedenken, dass SPD und CDU in ihrem Antrag direkt die Versicherungswirtschaft ins Boot holen will, die AfD verweist auf Bedenken von Fahrlehrern.

Trotz dieser breiten Landtagsmehrheit steht das begleitete Fahren in Niedersachsen nicht vor der Tür: Die Europäische Union hat das Mindestalter für Autoführerscheine auf 17 Jahre festgelegt. So lange Brüssel diese Hürde nicht senkt, kann Niedersachsen kein Fahren mit 16 einführen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN