Auto-Zukunft in Niedersachsen Abgeordnete machen den Test: E-Mobilität ist praktisch machbar

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Martin Bäumer, Karsten Becker und Veronika Koch mit ihren Autos. Foto: Anjuli Walter/CDU-FraktionMartin Bäumer, Karsten Becker und Veronika Koch mit ihren Autos. Foto: Anjuli Walter/CDU-Fraktion

Hannover. Wie weit ist das Autoland Niedersachsen beim Umstieg auf moderne Mobilität? Während im Landtag darüber gestritten wird, machen drei Abgeordnete den E-Mobilitäts-Praxistest. Und sagen: Es klappt.

Mit der E-Mobilität sei es wie in einer neuen Beziehung, berichtet Martin Bäumer. Seit acht Wochen hat der CDU-Landtagsabgeordnete aus Glandorf bei Osnabrück einen vollelektrischen Renault Zoe. Anfangs sei er „Feuer und Flamme“ gewesen. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man damit durch die Gegend fährt“. Bei der Suche nach Ladestationen sei dann Ernüchterung eingetreten, und inzwischen normalisiere sich die Beziehung.

Im Zeichen von VW

Am Mittwoch hat sich das Parlament per Aktueller Stunde mit der automobilen Zukunft des Landes beschäftigt. Als Sitz des Großarbeitgebers Volkswagen ist der Anteilseigner Niedersachsen vielfältig betroffen: Am Montag saß Ministerpräsident Stephan Weil wegen der Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler bis spätabends im VW-Aufsichtsrat, am Mittwoch verkündete er im Landtag den Eingang von einer Milliarde Euro Bußgeld von VW in die Landeskasse.

Althusmann: Schäden stärker ausgleichen

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) ist wegen des Abgasskandals derzeit nicht besonders gut auf die Autobauer zu sprechen: „Ich bin es leid, dass wir jeden Monat neue Meldungen über Softwareupates vermelden müssen“, sagt Althusmann und fordert, dass die Konzerne Schäden „stärker ausgleichen müssen als bisher“. Gleichwohl sei er angesichts der Anstrengungen VWs zuversichtlich, dass Niedersachsen „das Mobilitätsland“ werde.

Staatsanwalt im Dauereinsatz

Grüne und FDP sehen die Groko hingegen auf dem Weg in die automobile Sackgasse: Die von der CDU angestoßene Debatte solle nur davon ablenken, „dass die Staatsanwaltschaft bei VW im Dauereinsatz ist“, unkt der Grüne Detlev Schulz-Hendel. Für eine Mobilitätswende müsse die Landespolitik mehr tun, als „Steigbügelhalter für ein niedersächsisches Unternehmen zu sein“. Der FDP-Abgeordnete Jörg Bode wirft der Landesregierung vor, „Niedersachsen in den Stau gestellt“ zu haben. Eine Regierung, die seit Jahren daran scheitere, die elektronische Akte von einem Büro ins nächste zu schicken, sei als Technologietreiber ungeeignet. Die Landesregierung solle sich beispielsweise überlegen, warum Bayern LED-Schilder (aus niedersächsischer Produktion) vor Baustellen einsetze.

Zukunft auf dem Parkplatz

Während im Plenum debattiert wird, zeigen auf dem Landtagsparkplatz drei Groko-Abgeordnete, dass die E-Mobilität längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist: Der Schaumburger SPD-Parlamentarier Karsten Becker und die Graslebener CDU-Frau Veronika Koch haben ihre VW-Golfs neben Bäumers Renault gestellt. Damit wollen sie zeigen, dass E-Mobilität auch im Flächenland Niedersachsen und auch für Fernpendler wie die Abgeordneten längst praxistauglich ist. Becker schwärmt über seinen Elektro-VW als „das Beste, das ich je gefahren habe“. Die Strecke Hannover - Schaumburg sei leicht zu machen, aufgeladen werden daheim in der Garage. Auch Veronika Koch ist mit ihrem Hybrid-Plug-In zufrieden. Die Reichweite sei gut, zudem verleite das Auto zum ökologischen Fahrstil.

Von Ladesäule zu Ladesäule

Probleme macht immer noch die Ladeinfrastruktur, um die herum auch die Parlamentarier planen müssen: Den E-Mobilen von Bäumer und Becker geht nach etwas mehr als 300 Kilometern der Saft aus. Geladen werden kann in Hannover zwar an ausgewählten Stellen, die man kennen sollte. Doch vor dem Landtag soll erst im April 2019 eine Ladesäule installiert werden. Und was macht man bei langen Strecken quer durchs Land? Zug fahren, rät Bäumer.


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