Ein Bild von Klaus Wieschemeyer
19.06.2018, 18:42 Uhr KOMMENTAR

Weils Wahlgeschenk

Kommentar von Klaus Wieschemeyer

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, blickt lächelnd nach der Abstimmung über einen neuen Feiertag in das Plenum. Foto: Holger Hollemann/dpaStephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, blickt lächelnd nach der Abstimmung über einen neuen Feiertag in das Plenum. Foto: Holger Hollemann/dpa

Den meisten Niedersachsen dürfte es herzlich egal sein, mit welcher Begründung die Politik ihnen einen zusätzlichen Feiertag schenkt. Sie werden sich über die gewonnene Freizeit freuen und zufrieden feststellen, dass das Süd-Nord-Gefälle bei der Zahl der Feiertage zumindest ein wenig kleiner geworden ist.

Dieser Gedanke hat Stephan Weil im Landtagswahlkampf 2017 dazu bewogen, den Niedersachsen im Falle einer Wiederwahl einen zehnten Feiertag zu bescheren.

Der Reformationstag lag als Vorschlag zudem gerade nahe: Angesichts des Hochgefühls des Reformationsjubiläums schien der Tag ideal: Und da Weil als Hannoveraner in einer Hochburg der evangelischen Kirche sozialisiert wurde, tat sein Übriges dazu.

Dass der 31. Oktober so viel politischen Zündstoff entwickelte, lag auch an der nachträglichen inhaltlichen Aufladung des Tages und dem unglücklichen Agieren von Landespolitik und evangelischer Kirche. Dass die Niedersachsen künftig jedes Jahr im Herbst scharenweise in die Gemeindezentren strömen, um einen interkulturellen Dialog zu führen, ist angesichts der Erfahrungen mit 1. Mai und 3. Oktober schlicht wirklichkeitsfern.

Dass die Debatte genau diesen Dialog beschädigt hat, dürften den meisten Niedersachsen egal sein. Sie werden das Weilsche Wahlgeschenk in ihrem Sinne nutzen, wenn der Feiertagsstreit längst vergessen ist. Und vielleicht wird sich der eine oder andere kirchenferne Mitbürger wundern, warum Norddeutschland ausgerechnet zu Halloween frei hat.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN