Forscher schlagen Alarm Immer mehr Extremwetter in Niedersachsen erwartet

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Hochwasser an der Elbe: Der Klimawandel bringt voraussichtlich auch mehr Regen nach Niedersachsen. Foto: dpaHochwasser an der Elbe: Der Klimawandel bringt voraussichtlich auch mehr Regen nach Niedersachsen. Foto: dpa

Verheerende Platzregen in dem einen Ort, Dürre nebenan. Hitzewellen in der Stadt, Hochwasser an Deichen, Jahreszeitenchaos auf den Feldern. Ein Klimareport zeichnet ein alarmierendes Bild für Niedersachsens Zukunft.

Hannover Der globale Klimawandel hat bereits heute starke Auswirkungen auf Niedersachsen. Das ist das Ergebnis eines Klimareports von Deutschem Wetterdienst und Umweltministerium, welches Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Dienstag in Hannover vorgestellt hat. Mit dem Bericht solle eine „Gefühlsdebatte“ durch wissenschaftliche Fakten ersetzt werden.

1,5 Grad wärmer als 1881

Dem Bericht zufolge ist die durchschnittliche Temperatur in Niedersachsen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 um 1,5 Grad Celsius gestiegen. Lag sie im Jahreszeitraum 1961 bis 1990 bei 8,6 Grad Celsius, so betrug die sie in der Periode 1981 bis 2010 schon 9,3 Grad. Insgesamt betrachtet war 2014 nach der Studie mit einer mittleren Temperatur von 10,8 Grad das bisher wärmste Jahr in Niedersachsen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Bei einem „Weiter-So-Szenario“ gehen die Forscher von einem Temperaturanstieg von bis zu drei Grad bis 2050 und fünf Grad bis 2100 aus.

„Die Ergebnisse sind alarmierend“, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD). Selbst wenn es gelinge, den Temperaturanstieg zu bremsen, seien die Folgen dramatisch. Der Klimaschutz dulde keinen Aufschub mehr und müsse jetzt Priorität haben.

Drastischer Wandel

Bereits jetzt verzeichnen die Forscher einen drastischen Wandel des Wetters in Niedersachsen: Allein das Tempo der Veränderung sei ein deutliches Zeichen, dass es sich entgegen anderer Theorien um einen menschengemachten Wandel handle, erklärte der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker. „So schnell hat es das in der Erdgeschichte nicht gegeben“, sagte er.

Als deutlichen Indikator sehen die Forscher die Veschiebung der Jahreszeiten: So habe sich die Haselblüte als Zeichen des Vorfrühlings seit den 1960er Jahren vom 26. Februar auf den 10. Februar vorverschoben. Die Zahl der Frosttage ist seit den 1960er Jahren laut Studie bereits um 23 gesunken, die Zahl Sommertage (ab 25 Grad Celsius) hat sich seit den 1950er Jahren fast verdoppelt. Für den Anbau von Wintergetreide sehen die Forscher langfristig schwarz.

Tidehochwasser klettert

Auch der Meeresspiegel steige messbar: Pro Jahrhundert beobachte man einen Anstieg des mittleren Tidehochwassers um bis zu 30 Zentimeter. Die Forscher erwarten sogar eine Beschleunigung des Anstiegs auf einen halben bis einen Meter pro Jahrhundert.

Zwar gibt sich Umweltminister Lies zuversichtlich, dass die Deiche an den Küsten und im Binnenland zusätzlich verstärkt werden und Landverluste vermieden werden können. Doch dies werde teuer und aufwändig. „Wir müssen deutlich mehr in den Klimaschutz und die Klimafolgenbewältigung investieren“, sagte der Minister.

Lokale Starkregen befürchtet

Das gelte nicht nur für den Schutz der Küste, sondern auch im Umgang mit Hochwassern im Binnenland. Die Forscher gehen für Niedersachsen insgesamt von leicht steigenden Niederschlagsmengen aus. Allerdings prognostizieren sie eine schwer vorhersehbare Verteilung: So steige die Gefahr verheerender Starkregen und lokaler Überschwemmungen, wie zuletzt unter anderem in Bad Gandersheim und Goslar. Gleichzeitig erwarten die Forscher insbesondere im Harz und im äußersten Osten des Landes eine Abnahme des Regens und möglicherweise sogar Dürren.

Heißes Pflaster Großstadt

Selbst in der Stadtplanung mache sich der Klimawandel bemerkbar: Die Uni Hannover geht davon aus, dass die Temperatur in Städten je nach Größe um bis zu acht Grad Celsius höher ausfällt als im Umland. Insbesondere nachts halte sich die Hitze hartnäckig in den Häuserschluchten und raube den Menschen den Schlaf. Bei insgesamt steigenden Temperaturen seien auch in Niedersachsen Gesundheitsprobleme zu erwarten.

Nofallpläne in Süddeutschland

In Hannover drohten künftig immer wieder Temperaturen von über 40 Grad Celsius, sagte Günter Gross vom Meteorologischen Institut der Uni Hannover. Süddeutsche Metropolen arbeiten bereits an Notfallplänen, wie man in Hitzesommern insbesondere kranken Menschen und Senioren Linderung verschaffen kann. Dies werde auch eines der zentralen Themen des künftigen Städtebaus in Niedersachsen, sagte der Umwelt- und Bauminister.

Lies forderte einen schnelleren Ausstieg der Wirtschaft aus den fossilen Energieträgern: Insbesondere das Windenergieland Niedersachsen könne ein Vorreiter bei der Erzeugung von Wasserstoff und Gas aus Windenergie sein.


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