Aus Angst um die Deiche Niedersachsen bläst zur Jagd auf Nutrias

Von Klaus Wieschemeyer

Ein Nutria in der Autostadt Wolfsburg. Das auch seltener Sumpfbiber genannte Tier ist in Niedersachsen längst alles andere als selten. Foto: dpaEin Nutria in der Autostadt Wolfsburg. Das auch seltener Sumpfbiber genannte Tier ist in Niedersachsen längst alles andere als selten. Foto: dpa

Hannover. Auch dank milder Winter sind die Nutriabestände in Niedersachsen regelrecht explodiert. Weil die biberähnlichen Tiere aber eine Gefahr für den Hochwasserschutz sind, will das Land die Jagd ausweiten.

Niedersachsen Agrar- und Jagdministerin Barbara Otte-Kinast will die Jagd auf Nutrias ausweiten. Das sieht ein Entwurf für eine Novelle des Jagdgesetzes vor, welche die CDU-Politikerin am kommenden Dienstag ins Kabinett einbringen will. Demnach soll der bisher gültige Elterntierschutz aufgehoben werden.

Außerdem plant das Land, neben Jägern auch Helfern mit Sachkundenachweis der Landwirtschaftskammer die Fallenjagd zu erlauben. Damit könnten beispielsweise Bisamrattenjäger künftig auch die Nutria erlegen.

Schonzeit aufgehoben

Bereits im April hatte das Land die von März bis August geltende Schonzeit für erwachsene Tiere aufgehoben. Eine landesweite „Schwanzprämie“, wie sie zahlreiche Wasserunterhaltungsverbände inzwischen für erlegte Tiere zahlen, sei allerdings nicht vorgesehen. Die Prämie liegt in der Regel um die 6Euro pro vorgelegtem Schwanz.

Ostfriesische Inseln erreicht

Anlass der Verschärfung ist die Zunahme der Tiere, die mit ihren Erdbauten den Hochwasserschutz an Flüssen und an der Nordsee im Wortsinn untergraben. Weil Nutrias ihre Bauten in die Deiche graben, könnten diese brechen. „Eine Unterhöhlung der Deichanlagen gilt es unter allen Umständen zu vermeiden, zumal die Nutria bereits die Ostfriesischen Inseln erreicht hat. Die extrem schnell wachsenden Bestände müssen intensiv bejagt werden, um nicht die Sicherheit der Deiche zu gefährden“, sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast unserer Redaktion. Die Niederlande bejagen die Nutrias deshalb scharf und werfen Deutschland vor, zu wenig gegen die Nager zu tun.

Jagdstrecke verdreifacht

Die Population der auch Biberratten oder seltener Sumpfbiber genannten Tiere ist in den vergangenen Jahren hierzulande stark angewachsen. Das schließt das Ministerium aus der Zahl der getöteten Nutrias, die sich binnen drei Jahren fast verdreifacht hat: Meldete die Landesjägerschaft im Jagdjahr 2014/2015 noch 7503 erlegte Tiere, waren es in der Saison 2016/2017 bereits 21 596.

Ähnlich ist die Entwicklung bei den tot aufgefunden oder im Straßenverkehr umgekommenen Nutrias. Für die drastische Zunahme sind neben der hohen Reproduktionsrate (Weibchen können bis zu dreimal pro Jahr Nachwuchs bekommen) vor allem milde Winter verantwortlich. Die vor etwa 100 Jahren wegen ihrer damals sehr begehrten Felle aus Südamerika eingeschleppten Tiere, die oft mit den größeren Bibern und den kleineren Bisamratten verwechselt werden, vertragen keine tiefen Temperaturen.

Für den Sommer plant die Landesregierung eine Anhörung zu dem Entwurf. Voraussichtlich im Herbst soll die Gesetzesnovelle den Landtag passieren.