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Wellnessbereich und Actioncenter Ferienpark für 150 Millionen Euro entsteht am Dümmer in Lembruch

Von Nadine Grunewald


Lembruch. Am Dümmer in Lembruch entsteht ein für Niedersachsen wohl einzigartiges Projekt: Für knapp 150 Millionen Euro baut die Wald & Welle GmbH den Marissa Ferienpark samt touristischer Infrastruktur. Damit soll der zuletzt zurückgegangene Tourismus wieder angekurbelt werden. Während die ersten Musterhäuser bereits stehen, hat der Landkreis Diepholz wegen noch nicht genehmigter Bautätigkeiten ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Der Marissa Ferienpark entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Campingplatzes Schoddenhof im Naturpark Dümmer. Auf einer Fläche von rund 18 Hektar baut die Wald & Welle GmbH 478 Ferienhäuser, Appartementhäuser und Ferienwohnungen in unterschiedlichen Größen mit insgesamt 3000 Betten. Dem Investor zufolge werden die Gebäude hochwertig im skandinavischen Stil eingerichtet. Dazu soll laut Christian Puls, Vertriebsleiter des Ferienparks, noch eine Menge Infrastruktur entstehen. „Wir haben uns gegenüber der Gemeinde dazu verpflichtet, parallel zum Verkauf die Infrastruktur mitzuentwickeln“, sagt Puls.

Neben einem 1600 Quadratmeter großen Wellness-Haus mit Spa und Saunalandschaft sind ein Sport- und Actioncenter samt Indoor-Spielplatz, ein Beach-Club und eine Sauna auf dem Dümmer geplant. Diese soll an einem Steg entstehen und voraussichtlich auf dem Grund des Sees befestigt werden. Die Angebote können auch von Tagesgästen genutzt werden. An der Plaza des Ferienparks sollen Restaurants und Cafés entstehen. Voraussichtlich im Sommer dieses Jahres soll mit dem Bau der Ferienhäuser und -wohnungen begonnen werden. Die Fertigstellung des Ferienparks ist derzeit für 2021 geplant.

Ferienpark als „Leuchtturmprojekt“

150 Millionen Euro soll das Marissa-Projekt kosten, das laut der Verantwortlichen den Trend zum Naherholungsurlaub in Deutschland aufgreife. „Das ist die größte touristische Investition in Niedersachsen“, sagt Erik Winther, einer der beteiligten Gesellschafter. „Es ist ein Leuchtturmprojekt für den Dümmer und ganz Niedersachsen.“ Ferienparks in dieser Größenordnung gebe es in der Nähe nicht; lediglich die niederländische Ferienparkkette Center Parks habe zwei ähnlich große Anlagen.

So sehen die Wohnbereiche in den größten Ferienhäusern aus. Foto: Nadine Grunewald

Seit April läuft die Vermarktung. Verkauft werden sollen die Wohnungen und Appartements an Privatpersonen. „Wir sprechen derzeit mit mehr als 180 Interessenten“, sagt Puls. Für 50 Ferienhäuser lägen bereits Reservierungen vor. Viele Interessenten kämen aus einem Radius von ein bis zwei Stunden Entfernung rund um den Dümmer, einige aber auch von weiter weg. Vermarktet werden die Ferienhäuser über Novasol, dem laut Winther größten Ferienhausvermittler in Europa. Je nach Größe der Häuser oder Wohnungen sind diese ab 115.000 Euro zu haben.

Baugenehmigung steht noch aus

Noch allerdings stehen die Ferienhäuser nicht. Ledigleich drei Musterhäuser sind bislang zu sehen. „Wir haben schon archäologische Prospektionen vorgenommen und mit Kanalisationsarbeiten begonnen“, sagt Winther. Außerdem seien bereits Erd- und Planierarbeiten erfolgt. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern, auf der die ersten Appartementhäuser entstehen sollen, ist Mutterboden abgetragen und der Bereich mit Sand aufgefüllt worden. Zwar liegen die Bauanträge für die Häuser dem Landkreis Diepholz zur Prüfung vor, wie Stephan Maaß, Fachdienstleiter Bauordnung und Städtebau, auf Nachfrage bestätigt. Da diese aber noch nicht genehmigt worden sind, hätten die Arbeiten noch nicht ausgeführt werden dürfen. „Das war uns so nicht bewusst“, sagt Winther. Weitere bauliche Schritte hätten sie aber sowieso noch nicht vornehmen wollen. Jetzt prüft der Landkreis in einem Ordnungswidrigkeitsverfahren, ob ein Bußgeld verhängt wird.

Rüdiger Scheibe, Bürgermeister der Samtgemeinde Lemförde, bezeichnet das Projekt als „Sechser im Lotto“: „Der Tourismus am Dümmer ist in letzter Zeit etwas rückläufig gewesen“, sagt er. Auch auf dem Campingplatz, der jetzt dem Marissa-Gelände weichen musste, sei die Zahl der Camper gesunken. Wenn der Tourismus wieder angekurbelt werde, sorge das auch für steigende Nachfrage in den Geschäften und der Infrastruktur vor Ort. Damit rechnet auch Winther. „Die Urlaubsgäste geben viel Geld im Umfeld aus“, sagt er. Neben knapp 100 Arbeitsplätzen, die direkt im Ferienpark entstehen würden, geht er davon aus, dass hunderte weitere in der Region entstehen könnten.

Die Natur wird laut Scheibe durch den Ferienpark nicht beeinträchtigt. Der Naturschutzbund (Nabu) konnte sich am Dienstag noch nicht zu dem Projekt äußern.


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