Kreis Vechta will untersuchen Deutlich mehr Fälle von Nierenkrebs in Holdorf

Von Klaus Wieschemeyer

Untersuchung einer Gewebeprobe auf Krebszellen. Foto: dpaUntersuchung einer Gewebeprobe auf Krebszellen. Foto: dpa

Hannover. In Holdorf gibt es eine niedersachsenweit einmalige Häufung von Nierenkrebsfällen. Zwischen 2010 und 2016 wurden 20 Fälle gemeldet. Laut Hochrechnugen wären sieben normal.

In der Gemeinde Holdorf im Landkreis Vechta gibt es eine deutliche Häufung von Nierenkrebsfällen: Laut dem Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) wurden zwischen 2010 und 2016 insgesamt 20 Patienten mit Nierenkarzinom gemeldet. Das sind fast dreimal so viele, wie bei Holdorfs Gemeindegröße statistisch erwartet wird. Bei 7000 Einwohnern gehen die Statistiker in diesem Zeitraum von sieben Fällen aus.

Bisher ist kein Muster zu erkennen: Demnach sind sowohl Männer (zwölf Fälle) als auch Frauen (acht Fälle) betroffen. Die Erhöhung betrifft demnach alle Altersklassen, besonders jedoch die Altersgruppe der unter 50-Jährigen. Fälle unter Kindern und Jugendlichen wurden demnach nicht erfasst. Die Betroffenen wohnen in verschiedenen Bereichen der Gemeinden.

„Wollen Gewissheit“

Der Landkreis hat nun eine Untersuchung angekündigt, zumal es landesweit die einzige derartige Abweichung bei Nierenkrebs sei. „Wir wollen Gewissheit über die Ursachen bekommen und leiten daher eine umfassende Aufklärung der Befunde in die Wege“, sagte Vechtas Landrat Herbert Winkel.

Amtsärztin soll untersuchen

Nach Angaben eines Sprechers des Landkreises schließen die Behörden weder einen Zufall noch eine bestimmte Ursache aus. „Wir stochern da noch im Nebel“, sagte er. Das Gesundheitsamt unter Amtsärztin Sandra Guhe soll die Untersuchung leiten und die Ärzte vor Ort kontaktieren, um mögliche Gemeinsamkeiten zu finden. Zudem soll das EKN die Betroffenen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeit bitten, sich bei dem Amt zu melden. Unter der Nummer 04441/898-3333 wurde ein Bürgertelefon eingerichtet.

Pro Jahr erkranken in Niedersachsen etwa 48.000 Menschen neu an einem bösartigen Tumor. Fast 22.000 Menschen sterben an Krebs. Nierenkarzinome sind dabei eher selten.

Als wichtige Risikofaktoren gelten unter anderem Rauchen, Passivrauchen, Blutdruck und Übergewicht, auch mangelnde körperliche Aktivität scheint die Gefahr einer Erkrankung zu erhöhen. Auch eine familiäre Disposition, eine frühere Nierentransplantation oder eine chronische Niereninsuffizienz gelten als mögliche Risikofaktoren.


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