Tiere nerven Anwohner Bramscher versuchen, Pfauen in Nordhorn mit Lockvogel einzufangen

Von Henrik Hille


Nordhorn. Ein Ehepaar aus Bramsche hat versucht, die zehn halterlosen Pfauen einzufangen, die durch die Gärten in Nordhorn-Stadtflur stolzieren. Eine Henne und Küken sollten dabei behilflich sein. Doch die Aktion lief nicht so wie geplant.

Sonnabendnachmittag, ein Feld hinter dem Rotdornweg in Stadtflur: Mit jeweils einem Feldstecher ausgerüstet, halten Berthold Bartels und Dirk Suddendorf Ausschau nach den anscheinend wilden Pfauen, über die sich die Anwohner im Rotdornweg seit Wochen beschweren. Die bunten fasanenartigen Vögel sehen zwar prächtig aus, mit ihrem Kot und auf der Suche nach Futter verunstalten sie aber die Gärten der Anwohner. Zehn dieser Exemplare stolzieren umher und sitzen sogar auf den Tischen. Kommt hinzu: In der Paarungszeit sorgten die Pfauen in den vergangenen Tagen mit ihren lauten Rufen für schlaflose Nächte bei Berthold Bartels und seinen Nachbarn. „Wir konnten nicht mehr mit offenem Fenster schlafen“, berichtet Bartels. Die Pfauen übernachten auf Bäumen einige hundert Meter von der Siedlung entfernt in rund zehn Meter Höhe. Für die Tiere fühlt sich bislang niemand zuständig.

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Auch die Stadtverwaltung sah keine Handhabe, eine Fangaktion zu starten. Aus den Medien haben schließlich Karin und Dirk Suddendorf von den exotischen Tieren erfahren. Die Suddendorfs wollen die Pfauen einfangen und behalten, bis sich ein Besitzer meldet. „Wenn wir von Problemen mit offenbar halterlosen Tieren hören, versuchen wir zu helfen“, sagt Suddendorf. Von der Brieftaube bis zum Kaninchen hat er schon so manches Tier in seine Obhut genommen.

Anwohner beschweren sich über rund zehn wilde Pfauen in Nordhorn Stadtflur. Foto: Henrik Hille

Auf ihrem Anwesen in Bramsche bei Osnabrück kümmert sich das Ehepaar um zahlreiche Tiere. Ab und an kommt ihnen auch ein Pfau unter. Aber gleich zehn wilde Tiere sind auch für die beiden Tierliebhaber ein besonderer Fall: „Bisher hatten wir immer das Glück, dass wir, wenn ein Problempfau auftauchte, das Tier schnell in eine Garage treiben konnten.“ Jetzt sollen eine mitgebrachte Henne und mehrere Küken die Pfauen anlocken. Die Suddendorfs platzieren sie am Sonntag in Käfigen vor einer eingezäunten Scheune.

Fangversuch schlägt fehl

Sobald die farbenprächtigen Störenfriede vor den Käfigen stehen, kann man sie schnell einfangen – so lautet jedenfalls der Plan: „Die Hähne, die sich paaren wollen, reagieren auf die Henne, und die wilden Hennen werden wiederum von den Küken angelockt.“ Anwohner Berthold Bartels ist gespannt, ob das klappt. Er ist froh, dass sich endlich jemand um die Pfauen kümmert: „Wir hatten schon vor einer Woche Kontakt, da haben sich die Suddendorfs das Gelände hier angeguckt.“

Doch der Fangversuch am Sonnabend schlägt fehl. Auch nach Stunden lockt die Henne an diesem Tag keinen Hahn hervor. Für Berthold Bartels ist die Aktion dennoch erfolgreich: „Die Pfauen sind offenbar so plötzlich verschwunden, wie sie gekommen sind.“ Tatsächlich waren die bunten Vögel bis zum Montagabend nicht mehr in Stadtflur unterwegs. Falls sie doch wieder kommen, wollen Dirk und Karin Suddendorf einen zweiten Versuch unternehmen.