Niedersachsen gegen Schleswig-Holstein Wettlauf um Deutschlands ersten Flüssiggasterminal

Von Klaus Wieschemeyer

Ein Flüssiggastanker im Hafen von Rotterdam. Bislang spielt Deutschland beim Import keine Rolle. Das soll sich nach Ansicht von Niedersachsen und Schleswig-Holstein bald ändern. Foto: dpaEin Flüssiggastanker im Hafen von Rotterdam. Bislang spielt Deutschland beim Import keine Rolle. Das soll sich nach Ansicht von Niedersachsen und Schleswig-Holstein bald ändern. Foto: dpa

Hannover. Ein Terminal für Flüssiggas soll Deutschland unabhängiger von Russland machen und saubere Schiffsantriebe fördern. Darin ist sich die Politik einig. Uneinig ist man über den Ort: Niedersachsen setzt auf Wilhelmshaven, Schleswig-Holstein auf Brunsbüttel.

Niedersachsens Landesregierung drängt weiter auf den Bau eines großen Importterminals für tiefgekühltes Flüssiggas (LNG) in Wilhelmshaven. Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums von Bernd Althusmann (CDU) auf eine Anfrage der FDP hervor. Die Landesregierung prüfe noch in diesem Jahr die Errichtung einer Geschäftsstelle, in der maritime LNG-Projekte zentral koordiniert werde, heißt es in der Antwort.

Seit Jahren träumt die Landespolitik von einem Flüssiggas-Terminal am Jadebusen. Bis zu einem Zehntel des gesamten deutschen Erdgasbedarfs könnte über Wilhelmshaven importiert und ins Erdgasnetz eingespeist werden.

Hamburgs Hafen im Blick

Oder anders verwendet: LNG gilt bei Schiffsantrieben als saubere Alternative zum Schweröl. Darauf setzen auch Niedersachsens nördliche Nachbarn. Schleswig-Holstein favorisiert einen LNG-Terminal in Brunsbüttel. Von dem Standort an der Elbmündung könnten auch Bunkerschiffe zum Hamburger Hafen fahren. Die schadstoffbelastete Hansestadt hat ein großes Interesse, dass weniger Schiffe mit schmutzigem Schweröl und mehr mit deutlich saubererem LNG-Antrieb in den Hafen einfahren. Neue Kreuzfahrtschiffe bunkern bereits LNG – die AIDAprima wird während ihrer Liegezeit in Hamburg derzeit über Tanklaster mit Flüssigerdgas versorgt. Ebenso wie in Wilhelmshaven sind auch die Ideen für Brunsbüttel schon Jahre alt. Doch nun macht ein Konsortium Ernst: Im Januar gründeten drei Firmen um die niederländische Gasunie eine „LNG Terminal GmbH“. Ziel: ein Terminal in Brunsbüttel, der 2022 die Arbeit aufnehmen soll. Mögliche Abnehmer: der örtliche Chemiepark, der Hamburger Hafen und das deutschlandweite Erdgasnetz. Noch sei nicht klar, ob sich das Projekt lohne, sagt eine Sprecherin. „Wir müssen sicher sein, dass es ein Business Case ist“, sagt sie. In der zweiten Jahreshälfte 2019 will man entscheiden.

Niedersachsen verfolgt die Brunsbütteler Pläne „auf Basis der Presseberichterstattung“. Eine Konkurrenz zum eigenen Projekt sieht man nicht. Die LNG Terminal GmbH plant an dem Unterelbehafen mit Kapazitäten von 8,7 Milliarden kW. Das wäre grob ein Hundertstel des deutschen Erdgasbedarfs. In Wilhelmshaven soll das Zehnfache umgeschlagen werden. „Insofern werden hier unterschiedliche Versorgungsstrategien verfolgt, die kaum miteinander vergleichbar sind“, konstatiert das Ministerium. Eine Zusammenarbeit ist nicht geplant. Die Aktivitäten der Landesregierung seien auf Niedersachsen gerichtet, heißt es knapp.

Die FDP sieht in der Technologie große Chancen: „Die Bedeutung von Flüssigerdgas wird weiter zunehmen. Deshalb sollten wir für ein gutes Investitionsklima für LNG-Initiativen sorgen. Die Landesregierung tut gut daran, jetzt die Weichen zu stellen, damit die Chancen an der niedersächsischen Küste nicht verloren gehen“, sagt die hafenpolitische Sprecherin Hillgriet Eilers. Dass das Wirtschaftsministerium in Sachen LNG nur von „nicht dokumentierten Gesprächen“ mit der Bundesregierung spricht, sei aber kein zielgerichtetes politisches Handeln. „Das ist zu wenig Einsatz für den Standort“, kritisiert sie.

Investor gesucht

Braucht es also mehr Engagement, damit künftig statt null zwei Terminals an der deutschen Nordseeküste LNG ins Land holen? Möglicherweise. Vielleicht bleibt es aber auch bei keinem. Denn auch die Niedersachsen wollen nur investieren, wenn „ausreichend Marktinteresse bei überregionalen Gasversorgungsunternehmen besteht“. Und das könnte ausbleiben: Denn während in Deutschland seit Jahren über einen Terminal diskutiert wird, arbeiten die Anlandehäfen in Zeebrugge in Belgien und Rotterdam in den Niederlanden auf Hochtouren. Und an denen sind auch hiesige Firmen wie die Gasunie beteiligt.