Am Rotdornweg Wilde Pfauen plagen Anwohner in Nordhorn

Von Henrik Hille

Wilde Pfauen plagen Anwohner in Nordhorn. Foto: NWM-TV/Quelle: Jasmin PlescherWilde Pfauen plagen Anwohner in Nordhorn. Foto: NWM-TV/Quelle: Jasmin Plescher

Nordhorn. Die Anwohner des Rotdornweges in Nordhorn kommen sich teilweise vor wie im Zoo: Zehn große und teils bunte Pfauen nehmen das Wohngebiet für sich in Anspruch. Sie sorgen mit ihren Lauten für schlaflose Nächte. Für die Tiere fühlt sich offenbar niemand zuständig.

Wenn Berthold Bartels in seinen Garten geht, dann muss er immer häufiger eine Gruppe Pfauen vertreiben. Die teils bunt schillernden Vögel tummeln sich seit rund einem halben Jahr auf seinem Grundstück und in den Gärten seiner Nachbarn am Rotdornweg in Nordhorn-Stadtflur.

Angefangen hat alles mit einem Pfau vor ungefähr zwei Jahren, erinnert sich Bartels: „Den haben wir und alle Nachbarn hier akzeptiert.“ Der Pfau hatte sogar einen Namen: „Smarakti.“ Er war offenbar aus einem Gehege in der Umgebung ausgebüxt.

Der blau gefiederte „Smarakti“ sorgte zunächst durchaus für Heiterkeit und Abwechslung bei den meisten Bewohnern des Wohngebietes. Doch jetzt wird es ihnen im wahrsten Sinne des Wortes zu bunt. Der von der Nachbarschaft akzeptierte „Smarakti“ ist inzwischen verschwunden — stattdessen stolzieren zehn andere Pfauen durch die Straßen und Gärten und sitzen sogar auf den Tischen. Berthold Bartels und seine Nachbarn ärgern sich über angefressene Pflanzen und vollgekotete Gartenmöbel.

Besonders sind es aber die prägnanten Laute der fasanartigen Vögel aus Indien, die in Stadtflur Nerven kosten. „Am frühen Morgen geht es los“, erzählt Bartels. „Wir können nicht mehr mit offenem Fenster schlafen.“ Die Pfauen übernachten auf Bäumen einige Hundert Meter von der Siedlung entfernt in rund zehn Meter Höhe.

Wilde Pfauen plagen Anwohner in Nordhorn. Foto: NWM-TV

Warum der Stadtteil Stadtflur plötzlich so beliebt bei den Pfauen ist und wo sie herstammen, kann nicht eindeutig geklärt werden. Die Anwohner des Rotdornwegs wollen die bunten Vögel jetzt möglichst schnell loswerden. Offenbar fühlt sich jedoch keiner für die Pfauen zuständig. Die Tiere sind, wie Berthold Bartels berichtet, nicht beringt.

Zahlreiche Anrufe sind zwischenzeitlich auch beim Tierpark in Nordhorn eingegangen. Es wurde vermutet, dass die Exoten dort ausgebüxt seien. Pressesprecherin Ina Deiting stellt jedoch klar: „Wir haben gar keine Pfauen bei uns.“ Für eine Unterbringung der Tiere sei auch die Wildtier-Auffangstation des Tierparks nicht zuständig, so Deiting. Bei den Pfauen handele es sich nämlich um Haustiere und nicht um Wildtiere. Haustiere wiederum werden ins Tierheim nach Wilsum gebracht.

Das größte Problem wird allerdings nicht die Unterbringung sein, fürchtet Berthold Bartels. Der 58-Jährige macht sich darüber Gedanken, wie man sie überhaupt einfangen kann: „Wenn man sich auf fünf Meter nähert, sind die erst mal weg.“ Die Pfauen wirken zwar zutraulich und alles andere als menschenscheu, zu nahe darf man ihnen aber nicht kommen.

Beim Ordnungsamt der Stadt Nordhorn weiß man über die Situation Bescheid, viel ausrichten kann die Stadtverwaltung offenbar nicht. „Nach Bundesgesetzbuch besteht in diesem speziellen Fall nur die Möglichkeit, dass die Betroffenen die Pfauen selbst einfangen und anschließend bei der Stadt Nordhorn als Fundtiere anzeigen“, teilt ein Sprecher der Stadt mit. Anschließend würde die Stadt die Tiere abholen und ins Tierheim bringen lassen.

Berthold Bartels sieht jedoch keine Möglichkeit, die Pfauen mit seinen Nachbarn selbst zu erwischen. „Wir als Laien können die nicht fangen, da sind Profis nötig.“ Wer sich um die besonderen tierischen Bewohner von Stadtflur kümmert, bleibt offen. Die Pfauen haben offensichtlich nur wenig natürliche Feinde und finden in den Gärten genügend Nahrung.

Experten gehen davon aus, dass sich die Population der Pfauen in Nordhorn noch weiter ausdehnen wird. „Jetzt gerade befinden wir uns in der Balzzeit. Die Tiere können sich problemlos vermehren“, erklärt Tierärztin Heike Weber vom Nordhorner Tierpark. Aufgrund der Balzzeit sind die Pfauen derzeit offenbar besonders aktiv. Ein Weibchen legt in der Regel vier bis sechs Eier. Gut möglich also, dass Berthold Bartels und seine Nachbarn ihre Gärten in Zukunft mit noch mehr Pfauen teilen müssen.