Viele Fahrlehrer im Ruhestandsalter Niedersachsens Fahrschulen finden kaum noch Mitarbeiter

Von dpa

Fachkräfte fehlen in vielen Branchen - auch in den Fahrschulen. Bald könnte es noch schlimmer kommen. Denn ein Großteil der Fahrlehrer kommt ins Ruhestandsalter. Foto: dpaFachkräfte fehlen in vielen Branchen - auch in den Fahrschulen. Bald könnte es noch schlimmer kommen. Denn ein Großteil der Fahrlehrer kommt ins Ruhestandsalter. Foto: dpa

Göttingen. Fachkräfte fehlen in vielen Branchen - auch in den Fahrschulen. Bald könnte es noch schlimmer kommen. Denn ein Großteil der Fahrlehrer kommt ins Ruhestandsalter.

„Fahrlehrer gesucht“. In gelber Leuchtschrift blinkt der optische Hilferuf außen an der Fahrschule in der Nähe des Göttinger Bahnhofs. „Ich suche schon lange. Geholfen hat es bisher aber nichts“, sagt Inhaber Udo Wichmann. „Ich finde einfach kein qualifiziertes Personal.“

So wie Wichmann geht es vielen Fahrschul-Inhabern in Niedersachsen. Sie hoffen vergeblich auf neue Mitarbeiter. „Wir haben Nachwuchs-Probleme. Es ist schwierig, Fahrlehrer zu bekommen“, sagt der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Niedersachsen, Dieter Quentin. „Überall suchen Fahrschulen händeringend nach Mitarbeitern.“ Derzeit fehlten landesweit vermutlich bereits Hunderte von ausgebildeten Fahrlehrern.

„Die Situation ist beängstigend“

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes ist die Zahl der Fahrlehrer deutschlandweit zwischen 2011 und 2017 von rund 55.000 auf 44.500 gesunken. Nur weil die aktiven Fahrlehrer vielfach bis an die Belastungsgrenze gingen, könnten momentan noch alle Fahrschüler unterrichtet werden, sagte Quentin. Dies könnte sich aber bald ändern.

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Denn nach Schätzungen geht in den kommenden Jahren etwa ein Drittel der verbliebenen Fahrlehrer in den Ruhestand. „Wir haben so viele alte Fahrlehrer. Die Situation ist beängstigend“, sagt Jann-Bernd Webermann von der Norddeutschen Fahrlehrerakademie in Hannover.

Ausbildung kostet mehr als 10.000 Euro

Einen wesentlichen Grund für den Fachkräftemangel sieht der Fahrlehrerverband darin, dass die Bundeswehr seit Jahren deutlich weniger Fahrlehrer ausbildet als zu Wehrpflicht-Zeiten. Die kleinere Armee brauche eben auch weniger Fahrlehrer. Und eine private Ausbildung zum Fahrlehrer ist teuer. Sie kostet mehr als 10.000 Euro.

Eine zu Jahresbeginn in Kraft getretene Reform des Fahrlehrergesetzes soll Abhilfe schaffen. So wurde das Mindestalter für angehende Fahrlehrer von 22 auf 21 Jahre gesenkt. Vor allem aber wird nur noch ein Pkw-Führerschein vorausgesetzt. Bisher waren auch die Führerscheine für Motorrad und Lkw zwingend erforderlich.

Arbeitsplatzgarantie

Beim Verkehrsinstitut Bielefeld, zu dessen Trägern der niedersächsische Fahrlehrerverband gehört, wirkt sich dies bereits positiv aus. Die ersten Kurse in diesem Jahr seien relativ voll, sagt Ausbildungsleiter Klaus Peter-Altheide. Vermutlich weil der Lkw-Führerschein keine Voraussetzung mehr sei, sei die Zahl der weiblichen Kursteilnehmer so hoch wie selten zuvor.

Sorgen um einen Arbeitsplatz müssten sich die angehenden Fahrlehrer nicht machen, sagt Peter-Altheide. „Alle Absolventen werden vermittelt“, zum Teil schon vor der Abschlussprüfung. Auch bei der Norddeutschen Fahrlehrerakademie in Hannover sieht man die Gesetzesnovelle positiv. „Der Zuspruch scheint größer zu werden“, sagte Ausbildungs-Chef Webermann.

„Der Bedarf an Fahrlehrern ist jedenfalls groß“, stellt der Verbands-Vorsitzende Quentin fest. Allein er, so sagt Udo Wichmann in Göttingen, würde zwei bis drei Leute einstellen.