Zahlen der Polizeidirektion Osnabrück Straftaten mit Messer in der Region um 50 Prozent gestiegen

Von Dirk Fisser

Messer spielen in Westniedersachsen immer häufiger eine Rolle bei Straftaten. Foto: dpaMesser spielen in Westniedersachsen immer häufiger eine Rolle bei Straftaten. Foto: dpa

Osnabrück. Die Zahl der Straftaten in West-Niedersachsen, bei denen Messer eine Rolle spielten, hat binnen fünf Jahren deutlich zugenommen. Eine Auswertung der Polizeidirektion Osnabrück zeigt einen Anstieg um 50 Prozent von 2013 auf 2017 zwischen Teutoburger Wald und Nordseeküste.

Demnach stieg die Zahl der polizeilich erfassten Delikte von 191 im Jahr 2013 auf 294 im vergangenen Jahr. Für die ersten Monate des Jahres 2018 wollte die Direktion auf Nachfrage noch keine Daten nennen, lediglich einen Trend: Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Taten mit Messerbezug erneut leicht zu.

Die Direktion ist zuständig für die Landkreise Aurich, Leer, Wittmund, Emsland, Grafschaft Bentheim und Osnabrück sowie die kreisfreien Städte Osnabrück und Emden. (Weiterlesen: Messerattacken: Mehr Integration und schärferes Waffenrecht gefordert)

Wie ein Sprecher sagte, habe es sich bei einem Großteil der Taten um Bedrohungsdelikte gehandelt, bei denen Stichwaffen zum Einsatz kamen. Zweithäufigste Straftat: Körperverletzungen. Bundesweit hatte es in den vergangenen Wochen Diskussionen darüber gegeben, ob die Zahl der Messerattacken zugenommen hat. Im März hatte ein 17-jähriger Syrer in Großburgwedel bei Hannover eine 24-Jährige niedergestochen und lebensgefährlich verletzt.

Ob derartige Taten tatsächlich zunehmen, ist bislang unklar. In vielen Bundesländern wurde der Einsatz von Stichwaffen bei Straftaten bislang wohl nicht oder nur ungenügend erfasst. Das Innenministerium in Hannover kündigte an, ein Verfahren entwickeln zu wollen, um künftig statistische Aussagen treffen zu können. Das hatte zuvor auch die Gewerkschaft der Polizei gefordert. Da es dieses Verfahren noch nicht gebe, könne man derzeit keine „fundierte Bewertung“ vornehmen, hieß es aus dem Innenministerium auf Nachfrage. Tendenziell hätten die relevanten Entwicklungen von 2014 bis 2016 aber zugenommen, seien im vergangenen Jahr jedoch rückläufig gewesen. (Weiterlesen: Niedersachsens Polizei will Messerattacken zählen)

Die FDP-Fraktion im Landtag hatte eine entsprechende Anfrage an die Landesregierung gerichtet, eine Antwort steht noch aus. Die Zahlen aus der Polizeidirektion Osnabrück dürften ein erster Fingerzeig für die landesweite Entwicklung sein.

Allerdings spielen Messer tatsächlich eine untergeordnete Rolle in der Polizeistatistik. Die Polizeidirektion Osnabrück verzeichnete vergangenes Jahr insgesamt 13.658 Straftaten in solchen Deliktfeldern, bei denen Messer theoretisch eine Rolle spielen könnten: Also Straftaten gegen das Leben, die sexuelle Selbstbestimmung, die persönliche Freiheit oder aber Rohheitsdelikte. Anders gesagt: Bei etwa jedem 46. Verbrechen dieser Art nutzten die Täter auch ein Messer.

Junge Leute laufen nach Meinung jedes zweiten Erwachsenen Gefahr, in Deutschland Opfer einer Messerattacke zu werden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. Umfrageergebnis zum Risiko von Messerattacken, Hochformat 60 x 90 mm, Grafik: A. Brühl