Fallbeispiel aus Bad Iburg Wie können Kinder vor Online-Sextätern geschützt werden?

Von dpa

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Im Fokus stehen Prävention sowie Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die im Internet etwa mit Belästigungen, Exhibitionismus oder Cybergrooming konfrontiert wurden. Foto: dpaIm Fokus stehen Prävention sowie Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die im Internet etwa mit Belästigungen, Exhibitionismus oder Cybergrooming konfrontiert wurden. Foto: dpa

Hannover. Experten tauschen sich am Mittwoch in Hannover unter anderem mit Lehrern und Sozialarbeitern unter dem Titel „Mit mir nicht!“ über das Thema sexuelle Übergriffe im Internet aus.

Im Fokus der Tagung in der Akademie des Sports stehen die Prävention sowie die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die im Internet etwa mit Belästigungen, Exhibitionismus oder Cybergrooming konfrontiert wurden. Der Begriff steht für das Ansprechen Minderjähriger im Netz mit dem Ziel sexueller Kontakte.

Fall aus Bad Iburg

Im vergangenen Jahr war etwa ein Fall aus Bad Iburg bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück erhob gegen einen 32-Jährigen wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern Anklage. Der Mann soll 122 Jungen und Mädchen unter falscher Identität in einem für alle Altersstufen freigegebenen Onlinespiel angeschrieben haben. Der Mann sie demnach überredet haben, ihm Nacktaufnahmen von sich zu schicken.

„In der Anonymität des Internets können unangenehme und belastende Situationen entstehen. Erwachsene müssen sich solcher Risiken bewusst sein“, schilderte Andrea Buskotte, Fachreferentin von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS), die zu der Tagung lädt. Eltern und pädagogische Fachkräfte müssten an ihre Schützlinge die richtigen Signale aussenden und das Thema mit ihnen offline besprechen.


Was ist Cyber-Grooming?

Beim sogenannten Cyber-Grooming machen sich Erwachsene im Internet mit sexuellen Absichten an Kinder und Jugendliche heran. Der Begriff „grooming“ bedeutet im Deutschen „anbahnen“ oder „vorbereiten“. Die Täter geben sich in sozialen Netzwerken und Chats oft jünger aus als sie sind, bauen mit Schmeicheleien Vertrauen auf und belästigen ihre Opfer dann sexuell.

Die Täter sprechen über Liebe und Sex und überreden ihre Opfer oft, ihnen intime Informationen oder Fotos zu schicken. Dann machen sie mit der Drohung Druck, die Bilder im Umfeld des Betroffenen zu verbreiten und stellen weitere Forderungen. Oft versuchen sie, das Opfer zu einem persönlichen Treffen zu zwingen, bei dem sie es dann sexuell missbrauchen.

Die strafrechtlichen Folgen regelt Paragraf 176 des Strafgesetzbuches. Dort heißt es unter anderem:

(4) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

1.sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt,

2.ein Kind dazu bestimmt, dass es sexuelle Handlungen vornimmt, soweit die Tat nicht nach Absatz 1 oder Absatz 2 mit Strafe bedroht ist,

3.auf ein Kind mittels Schriften (§ 11 Absatz 3) oder mittels Informations- oder Kommunikationstechnologie einwirkt, um

a)das Kind zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einer dritten Person vornehmen oder von dem Täter oder einer dritten Person an sich vornehmen lassen soll, oder

b)um eine Tat nach § 184b Absatz 1 Nummer 3 oder nach § 184b Absatz 3 zu begehen, oder

4.auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts, durch Zugänglichmachen pornographischer Inhalte mittels Informations- und Kommunikationstechnologie oder durch entsprechende Reden einwirkt.

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