Niedersachsen Friedhöfe sollen Refugien für Wildbienen und Schmetterlinge werden

Von dpa

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Blumen statt Rasen, Blüten statt Buchsbaum, heimische Gehölze satt Tuja-Hecken: Der Bund will Friedhöfe ökologischer machen und Wildbienen helfen. Foto: Julian Stratenschulte/dpaBlumen statt Rasen, Blüten statt Buchsbaum, heimische Gehölze satt Tuja-Hecken: Der Bund will Friedhöfe ökologischer machen und Wildbienen helfen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Göttingen. Blumen statt Rasen, Blüten statt Buchsbaum, heimische Gehölze satt Tuja-Hecken: Der Bund will Friedhöfe ökologischer machen und Wildbienen helfen.

Niedersachsens Friedhöfe sollen künftig verstärkt zu Lebensräumen für bedrohte Insektenarten werden. Dieses Ziel hat sich der Naturschutzverband Bund gesetzt, der dazu das Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ gestartet hat. Auf naturnah umgestalteten Friedhöfen könnten vor allem Wildbienen, aber auch Schmetterlinge sowie Vögel, Fledermäuse und Kleinsäuger bessere Lebensbedingungen finden, sagte Bund-Wildbienen-Experte Jakob Klucken der Deutschen Presse-Agentur.

An einem ersten Versuch nehmen vorerst vier große Friedhöfe in Göttingen, Braunschweig, Hannover und Lüneburg teil. Sie haben zusammen eine Fläche von rund 110 Hektar. Der Startschuss zu dem Modellvorhaben soll am Mittwoch in Göttingen fallen.

Das Projekt sei auch eine Reaktion auf das Insektensterben, sagte Klucken. Die Zahl der Fluginsekten in nach Angaben von Umweltschützern erheblich zurückgegangen. Der Versuch „Ökologische Nische Friedhof“ ziele deshalb unter anderem darauf ab, das Nahrungsangebot für Wildbienen zu verbessern. „Statt der auf vielen Friedhöfen vorherrschenden artenarmen Rasenflächen mit höchstens ein paar Gänseblümchen und etwas Klee sollen Wildblumenwiesen ausgesät werden“, sagte Klucken. Anders als Rasen würden sie nur zweimal im Jahr gemäht, so dass immer ein ausreichendes Nahrungsangebot für Insekten vorhanden ist.

Auch die Gräber sollen nach Vorstellungen des Bunds ökologische Nischen werden. „Wo jetzt niedrigwüchsiges Dauergrün vorherrscht, sollten deshalb besser Blütenpflanzen wachsen“, sagte Klucken. Und es sollten nicht züchterisch veränderte Sorten sein, wie Begonien oder Stiefmütterchen. „Diese bieten kaum Nahrung für Insekten. Besser wären Wildstauden, wie Natternkopf, Glockenblumen oder Rainfarn“, sagte der Experte.

In Zusammenarbeit mit den Verwaltungen wollen die Umweltschützer außerdem dauergrüne Nadelgehölze auf den Friedhöfen durch heimische Gehölze wie Weißdorn, Schlehe oder Hartriegel ersetzen. Und schließlich sollen natürliche und künstliche Nistplätze für Wildbienen entstehen.

Die naturnahe Umgestaltung von Friedhöfen kann nach Einschätzung des Bund im übrigen nicht nur einen ökologischen Nutzen haben. Sie könnte auch öffentliches Geld sparen, weil sich die Kosten der Instandhaltung verringerten. Gleichzeitig könnten Friedhöfe für Besucher attraktiver werden.


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