Hampel unterliegt Guth gewinnt niedersächsischen AfD-Wahlkrimi

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Dana Guth nach der Wahl zur AfD-Landesvorsitzenden in Braunschweigs Stadthalle. Foto: dpaDana Guth nach der Wahl zur AfD-Landesvorsitzenden in Braunschweigs Stadthalle. Foto: dpa

Braunschweig. Der Machtkampf in der Landes-AfD ist vorerst entschieden: Der langjährige Landeschef Paul Hampel scheiterte mit dem Versuch, erneut an die Spitze gewählt zu werden, an seiner Gegnerin Dana Guth.

Bis zur letzten Minute habe sie nicht gewusst, wie das Duell ausgehe, sagte Dana Guth kurz nach ihrem Sieg über Paul Hampel am Samstagnachmittag. Das ist keine Koketterie. Lange war das Rennen beim Sonderparteitag der tief zerstrittenen niedersächsischen AfD in der Braunschweiger Stadthalle offen. Die Wahl war nötig geworden, weil die Bundespartei im Januar den Dauerstreit im Land satthatte und Landeschef Hampel absetzte. Seitdem leitete ein aus Berlin eingesetzter Notvorstand. Sein Hauptziel: Schnell einen neuen Vorstand wählen. Wie verfahren die Lage war, hatte Bundessprecher Jörg Meuthen zum Parteitagsauftakt klargestellt und von den Niedersachsen Einigkeit eingefordert.

Flügelkampf

Im ersten Wahlgang lag die dem bürgerlichen Lager zugerechnete Landtagsfraktionschefin Guth zwar vorne. Doch der sich als nationalkonservativ bezeichnende Bundestagsabgeordnete und Höcke-Freund Hampel hatte gemeinsam mit einem anderen Kandidaten aus demselben Flügel mehr Stimmen. Würden diese in der Stichwahl zu Hampel gehen und ihm zum Sieg verhelfen? Sie taten es nicht. Am Ende gewann die 47-jährige Versicherungskauffrau ziemlich deutlich mit 280:205 Stimmen.

Das lag auch an ihrer Bewerbungsrede: In der versprach sie Kommunikation und Nähe: „Ich finde, der Landesvorsitzende gehört nach Niedersachsen“, sagte Guth. Ein Seitenhieb auf den im Berliner Bundestag sitzenden Hampel. Es war nicht der einzige: „Wenn Sie mich wählen, dann geht Ihr Geld nicht ins Steigenberger, sondern in ein elektronisches Stimmsystem“, versprach Guth den mit Stimmzetteln ausgestatteten Mitgliedern.

Der Verweis auf das Sternehotel war eine direkte Attacke auf Hampel. Denn kurz zuvor hatte der Landesparteitag heftig über eine Sonderprüfung der AfD-Kassenbücher gestritten. Christian Waldheim von der Bundespartei hatte sich die Buchhaltung der Landes-AfD von 2013 bis 2016 durchgeschaut – und berichtet von gewaltigen Unregelmäßigkeiten.

So fehlten für Ausgaben in Höhe von 27333 Euro sämtliche Belege. Und dort, wo es welche gebe, seien diese oft fehlerhaft oder die Ausgaben nicht genehmigt. Dies gelte insbesondere für Restaurantrechnungen, auf deren Belegen Anlass und bewirtete Personen fehlten. Zudem gebe es Hotelrechnungen in vierstelliger Höhe, auch zu AfD-Bundesparteitagen. Dabei sei eine Kostenübernahme durch die Landespartei gar nicht vorgesehen. Im Visier der Kritik: Hampel, der sich unter anderem auch eine Satellitenschüssel und ein Zeitungsabo der „Jungen Freiheit“ in seinem Privathaus hatte bezahlen lassen.

Die Mängelliste Waldheims war lang und löste je nach Lager heftige Empörung oder heftigen Widerspruch aus. Es müsse ja nicht immer gleich eine Jugendherberge sein, aber auch nicht gleich das Maritim, kritisierte Christiane Wichmann. „Wenn ich so viel Geld unterschlagen hätte, würde ich mich nicht in den Saal trauen“, sagte ein Mitglied.

Hampel gibt Ehrenwort

Der Attackierte sah in dem Bericht einen Demontageversuch seiner Gegner in Bund und Land: „Wenn man inhaltlich nicht zu packen ist, machen wir es über die Finanzen“, sagte Hampel und warf dem Prüfer ein „perfides Spiel“ vor. „Bei meiner Ehre“ versicherte Hampel, dass alle seine Abrechnungen korrekt seien. Die fehlenden Personen auf den Bewirtungsbelegen begründete er mit Hintergrundessen mit Journalisten, die ihren Namen nicht öffentlich lesen wollten.

AfD-Geschäftsstellenleiterin Andrea Obeck, der falsche Fahrtkostenrechnungen vorgeworfen werden, erklärte, der Prüfer Waldheim habe ihr keine Fragen gestellt. Zudem fehlten einfach mal zahlreiche Unterlagen, Belege und Protokolle. „Die Anfeindungen werden mich nicht in die Knie zwingen“, sagte der Ex-Journalist. „Heute kämpfe ich um meine Ehre“, begründete er seine erneute Kandidatur. In seiner Bewerbungsrede lehnte er einen gemäßigten Kurs strikt ab. „Lassen Sie uns die Schmuddelkinder der Politik bleiben“, forderte Hampel seine Partei auf.

Nach der Wahl lobte er sein Abschneiden als „respektabel“. Er werde nun an dem Platz weiterkämpfen, an den seine Partei ihn gesetzt habe. Das ist der Bundestag.


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