Weideaustrieb im Frühling Kühe feiern Rückkehr auf Weide mit fröhlichen Luftsprüngen

Von dpa


Brake. Nicht nur wir Menschen, auch die Kühe freuen sich über das warme Frühlingswetter. Endlich können sie wieder nach draußen auf die Weide. Manche Tiere feiern das mit fröhlichen Luftsprüngen.

Stalltür auf und ab geht es auf die Weide: Nach Monaten im Stall können die Milchkühe jetzt wieder draußen grasen. 200 Kühe eröffneten die Freiluftsaison am Samstag offiziell auf dem Hof Holthusen in Brake. Voller Vorfreude liefen sie auf die Weide und sprangen übermütig durch das frische Gras. In Schweden ist es Tradition, den Weideaustrieb im Frühling zu feiern. Im Nordwesten gibt es das erst seit zwei Jahren.

Mit der Veranstaltung möchte das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen die Weidehaltung fördern. An der Initiative sind Bauern, Politik, Wirtschaft, Tier- und Naturschützer beteiligt. Grasende Kühe auf grünen Wiesen - dieses Bild haben viele Verbraucher beim Kauf vom Milchtüten im Supermarkt vor Augen. Die Realität sieht anders aus: „Der Trend geht dahin, dass immer mehr Kühe das ganze Jahr im Stall stehen“, sagte Jendrik Holthusen vom Grünlandzentrum. 67 Prozent der Milchkühe in Niedersachsen kämen noch auf die Weide, bundesweit liege der Wert bei 42 Prozent.

Grast nur jede zweite Kuh auf der Weide?

Ottmar Ilchmannn von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft geht sogar davon aus, dass nur jede zweite Kuh in Niedersachsen auf der Weide grast. „Das liegt an logistischen Problemen“, sagte er. Größere Betriebe mit 200 bis 300 Kühen - wie es sie zunehmend gibt - hätten meist nicht genug Weideflächen für alle Tiere in der Nähe.

Außerdem ergibt die Weidehaltung weniger Futter. „Die Kühe zertrampeln das Gras teilweise und verunreinigen es“, sagte Ilchmann. Wenn der Bauer das Gras stattdessen für Silage oder Heu verwende, würden mehr Kühe satt. „Kühe im Stall zu halten ist berechenbarer“, ergänzte Holthusen. Wegen des Wetters schwanke es von Jahr zu Jahr, wie viel Zeit die Kühe auf der Weide verbringen könnten und wie viel Futter sie dort fänden. Gleichzeitig müssten die Bauern den Stall weiter betreiben, der im Unterhalt teuer sei, aber weniger genutzt werde.

„Weidemilch muss den Bauern mehr Erlöse bringen“

Die Weidehaltung ist für den Landwirt deshalb eine Kostenfrage. „Das müsste wirtschaftlich lukrativer sein“, forderte Ilchmann. Kühe, die auf die Weide gingen, seien gesünder und robuster. Auch für Insekten und Brutvögel wie Kiebitz und Uferschnepfe seien Weideflächen wichtig. Nach Ansicht von Ilchmann muss die Weidemilch den Bauern mehr Erlöse bringen und diese bräuchten zusätzlich finanzielle Unterstützung aus der Landeskasse. Die Pläne für eine Weideprämie von jährlich 30 Millionen Euro hatte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) allerdings kürzlich gekippt.

Die Weidehaltung voran bringen soll seit einem Jahr das Label „Pro Weideland“, das das Gründlandzentrum gegründet hat. Nach dessen Kriterien müssen die Kühe im Jahr mindestens an 120 Tagen sechs Stunden pro Tag auf der Weide sein. Die Bauern sollen im Gegenzug für ihre Weidemilch mehr Geld erhalten. Die Molkerei Ammerland vermarktet seit vergangenem Jahr einen Teil ihrer Milch unter dem Label. Mit anderen Molkereien laufen nach Angaben von Holthusen zurzeit Gespräche.