Parteitag in Braunschweig Richtungsentscheidung bei Niedersachsens AfD

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Paul Hampel ist mittlerweile Bundestagsabgeordneter. Foto: dpaPaul Hampel ist mittlerweile Bundestagsabgeordneter. Foto: dpa

Hannover. Monatelang machte Niedersachsens AfD vor allem mit Intrigen und Querelen um den früheren Landeschef Paul Hampel Schlagzeilen. Nun führt ein aus Berlin eingesetzter Notvorstand die Geschäfte. Am Wochenende will Hampel zurückkehren, er hat aber Gegenkandidaten.

Der für das kommende Wochenende angesetzte AfD-Landesparteitag in Braunschweig verspricht lebhaft zu werden, sowohl in als auch vor dem Treffen in der Stadthalle: Vor der Tür will am Samstag ein „Bündnis gegen Rechts“ gegen die AfD demonstrieren, am nahen Bahnhof will die rechtsextremistische NPD für einen „Tag der deutschen Zukunft“ im Juni in Goslar werben. Die Polizei stellt sich auf eine Großlage ein. Man sei vorbereitet, sagt ein Polizeisprecher, ohne die Zahl der Kräfte beziffern zu wollen.

Notvorstand regierts

Auch drinnen könnte es an dem zweitägigen Treffen hoch her gehen: Nachdem die Bundespartei im Januar die Reißleine gezogen und den tief zerstrittenen Landesvorstand um Parteichef Armin Paul Hampel abgesetzt hatte, soll nun ein neuer gewählt werden. Derzeit amtiert ein aus Berlin eingesetzter Notvorstand von Nicht-Niedersachsen. Der Absetzung vorausgegangen waren monatelange offene Streitereien zwischen Hampel und seinen Kritikern. Es gab gefälschte Wahlbriefe, abgesagte Parteitage und zahlreiche Intrigen, die die Partei in Hampel-Befürworter und -Gegner spaltete. Die Animositäten waren so groß, dass es zur Landtagswahl sogar getrennte Wahlpartys gab.

Hampel will zurückkommen

Der Uelzener Hampel, inzwischen außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, tritt in Braunschweig wieder an. Gegen ihn kandidiert Landtagsfraktionschefin Dana Guth aus Göttingen. Die Wahl gilt als Richtungsentscheidung, denn die beiden zeichnen sich nicht nur durch eine gegenseitige tiefe Abneigung aus, sie verkörpern auch unterschiedliche Strömungen der Partei: Hampel sucht Rückhalt im rechten Flügel der AfD, posiert auf Fotos mit Rechtsaußen Björn Höcke. Bei den partei-internen Vorstellungsrunden kritisierte er zudem „den Schmusekurs der AfD-Fraktion“ im Landtag, berichtet das Politmagazin „Rundblick“.

Mitbewerber aus dem Raum Hannover

Guths Truppe in Hannover agiert rhetorisch weit zurückhaltender als Hampels Fraktion im Bundestag. Im Bundestag sitzen auch zwei weitere Kandidaten für den Chefposten: Jörn König aus dem Kreisverband Hannover-Stadt gilt seit seinem offenen Bruch mit Hampel als Verbündeter von Guth. Beide gehören der Mitgliederinitiative „Neustart“ an. Direkt aus Königs Nachbarschaft kommt der vierte chancenreiche Kandidat: Dietmar Friedhoff aus Neustadt am Rübenberge kommt aus dem mitgliederstärksten Kreisverband der Niedersachsen-AfD, Hannover-Land. Der Bundestagsabgeordnete wird von Beobachtern politisch in Hampels Nähe gesehen. Selbst präsentiert er sich aber als Kandidat der Einigung. Er trete an, um „das Werkzeug der notwendigen Einigkeit und einer neuen Außendarstellung zu sein. Die Ausgrenzungen von konstruktiven Kritikern müssen der Vergangenheit angehören“, erklärt Friedhoff in einer Pressemitteilung.

Wie die Wahl ausgeht, ist selbst für viele Parteimitglieder offen. Das sei „kräftemäßig schwer einzuordnen“, sagt ein Kreisvorsitzender.


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